TELBIVUDIN
Index
Klinisch-pharmakologische Klassifizierung Wirkmechanismus Handelsnamen
Anwendungsarten Indikationen Dosierung
Kontraindikationen Nebenwirkungen Interaktionen
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Klinisch-pharmakologische Klassifizierung
J05A DIREKT WIRKENDE ANTIVIRALE MITTEL
J05AF Nukleosidale und nukleotidale Inhibitoren der Reversen Transkriptase
J05AF11 Telbivudin
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Wirkmechanismus
Pharmakotherapeutische Gruppe: Nukleosidale und nukleotidale Inhibitoren der Reversen Transkriptase, ATC-Code: J05AF11


Telbivudin ist ein synthetisches Thymidin-Nukleosid-Analogon mit Aktivität gegenüber der HBV-DNA-Polymerase. Es wird durch zelluläre Kinasen effizient in die aktive Triphosphat-Form phosphoryliert, die eine intrazelluläre Halbwertszeit von 14 Stunden besitzt. Telbivudin-5'-Triphosphat hemmt die HBV-DNA-Polymerase (Reverse Transkriptase) über einen kompetitiven Mechanismus mit dem natürlichen Substrat, Thymidin-5'-Triphosphat,. Der Einbau von Telbivudin-5'-Triphosphat in die Virus-DNA verursacht einen DNA-Kettenabbruch, wodurch die HBV-Replikation gehemmt wird. Telbivudin hemmt sowohl die Synthese des ersten HBV-Strangs (EC50 = 0,4-1,3 μM) als auch die Synthese des zweiten Strangs (EC50 = 0,12-0,24 μM) und zeigt dabei eine deutliche Präferenz für die Hemmung der Synthese des zweiten Strangs. Im Gegensatz dazu bewirkte Telbivudin-5'-Triphosphat in Konzentrationen von bis zu 100 μM keine Hemmung der zellulären DNA-Polymerasen α, β oder γ. In Testverfahren zu Mitochondrienstruktur, Funktion und DNA-Gehalt hatte Telbivudin in Konzentrationen von bis zu 10 μM keine nennenswerte toxische Wirkung und bewirkte in vitro keine Zunahme der Milchsäure-Produktion.


Die antivirale In-vitro-Wirksamkeit von Telbivudin wurde an der HBV-exprimierenden humanen Hepatom-Zelllinie 2.2.15 untersucht. Die Telbivudin-Konzentration, die eine effektive Hemmung von 50% der Virussynthese (EC50) erzielte, betrug etwa 0,2 μM. Die antivirale Aktivität von Telbivudin ist für das Hepatitis-B-Virus und verwandte Hepadna-Viren spezifisch. Telbivudin war in vitro nicht wirksam gegen HIV. Die fehlende Wirksamkeit von Telbivudin gegen HIV wurde nicht im Rahmen von klinischen Studien evaluiert.
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Handelsnamen
Österreich Sebivo
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Anwendungsarten
oral
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Indikationen
chronischen Hepatitis B bei erwachsenen Patienten mit kompensierter Lebererkrankung und Nachweis viraler Replikation, anhaltend erhöhten Glutamat-Pyruvat-Transaminase(GPT)-Spiegeln und histologischem Nachweis einer aktiven Entzündung und/oder Fibrose
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Dosierung
Standarddosierung
Erwachsene
600mg 1x täglich
 
Dosierung bei schwerer Nierenfunktionsstörung
Bei Patienten mit einer Kreatinin-Clearance ≥ 50 ml/min ist keine Anpassung der empfohlenen Telbivudin-Dosis erforderlich. Bei Patienten mit einer Kreatinin-Clearance < 50 ml/min, einschließlich solcher mit terminaler Niereninsuffizienz (ESRD), die eine Hämodialyse erhalten, ist eine Anpassung der Dosis erforderlich. Es wird empfohlen, die Tagesdosis zu reduzieren und Sebivo Lösung zum Einnehmen anzuwenden, wie in Tabelle 1 unten beschrieben. Falls die Lösung zum Einnehmen nicht angewendet werden kann, können alternativ Sebivo Filmtabletten eingenommen werden. In diesem Fall soll die Dosierung durch Verlängerung des Zeitintervalls zwischen den Dosen angepasst werden.
 
Dosierung bei schwerer Leberfunktionsstörung:
Bei Patienten mit eingeschränkter Leberfunktion ist keine Anpassung der empfohlenen Dosis erforderlich.
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Kontraindikationen
Wird für die Anwendung bei Kindern und Jugendlichen unter 16 Jahren aufgrund des Fehlens von Daten zur Unbedenklichkeit und Wirksamkeit nicht empfohlen.

absolut Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff oder einen der sonstigen Bestandteile.

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Nebenwirkungen
Die Beurteilung unerwünschter Wirkungen basiert im Wesentlichen auf zwei Studien (NV-02B-007 „GLOBE“ sowie NV-02B-015), in denen 1.699 Patienten mit chronischer Hepatitis B über einen Zeitraum von 104 Wochen eine doppelblinde Behandlung mit Telbivudin 600 mg/Tag (n = 847) oder Lamivudin (n = 852) erhielten.

In den 104-wöchigen klinischen Studien wurde der Schweregrad der berichteten unerwünschten Wirkungen in der Regel als leicht oder mittel eingestuft. Die häufigsten unerwünschten Wirkungen, bei denen ein Zusammenhang mit Telbivudin zumindest möglich war, waren ein Anstieg der Kreatinkinase im Blut vom Grad 3/4 (6,8%), Erschöpfung (4,4%), Kopfschmerzen (3,0%) und Übelkeit (2,6%).
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Interaktionen
Da Telbivudin vorwiegend durch renale Exkretion eliminiert wird, kann die gleichzeitige Gabe von Sebivo mit Substanzen, die die Nierenfunktion beeinflussen (wie z. B. Aminoglykoside, Schleifendiuretika, Platinverbindungen, Vancomycin, Amphotericin B), die Plasmakonzentrationen von Telbivudin und/oder der gleichzeitig gegebenen Substanz beeinflussen. Bei Kombination von Telbivudin mit diesen Arzneimitteln ist Vorsicht geboten. Die Steady-State-Pharmakokinetik von Telbivudin war nach mehrfacher Gabe in Kombination mit Lamivudin, Adefovir-Dipivoxil, Tenofovir-Disoproxilfumarat, Ciclosporin oder pegyliertem Interferon alfa-2a unverändert. Außerdem verändert Telbivudin nicht die Pharmakokinetik von Lamivudin, Adefovir-Dipivoxil, Tenofovir-Disoproxilfumarat oder Ciclosporin. Wegen der hohen interindividuellen Variabilität der Konzentrationen an pegyliertem Interferon alfa-2a konnten keine definitiven Schlussfolgerungen zum Einfluss von Telbivudin auf die Pharmakokinetik von pegyliertem Interferon gezogen werden. Daten einer klinischen Sudie, in der eine Kombination von Telbivudin (600 mg täglich) und pegyliertem Interferon alfa-2a (180 Mikrogramm einmal pro Woche subkutan) untersucht wird, weisen darauf hin, dass diese Kombination mit einem erhöhten Risiko für das Auftreten einer peripheren Neuropathie assoziiert ist. Der zugrunde liegende Mechanismus ist nicht bekannt.


Telbivudin ist kein Substrat, Hemmstoff oder Induktor des Cytochrom-P450-(CYP450)-Enzymsystems (siehe Abschnitt 5.2). Aus diesem Grund ist das Potenzial für CYP450-vermittelte Arzneimittelwechselwirkungen mit Sebivo gering.
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