Anaerobier
Definition Häufigste Erreger Antibiotikatherapie
Anaerobier-Infektionen Anaerobiernachweis Klinische Wirksamkeit von Antibiotika
Definition:

Anaerobier ist die Bezeichnung für Bakterienarten, die entweder ausschließlich in Abwesenheit von Sauerstoff wachsen können (obligate Anaerobier) oder sowohl mit und ohne Sauerstoff wachsen können (fakultative Anaerobier). Daneben gibt es noch aerotolerante Anaerobier. Diese oxidieren Nährsubstate ohne Verwendung von elementarem Sauerstoff, können diese aber, im Gegensatz zu den obligaten Anaerobiern, tolerieren.

Humanpathogene Bakterien sind chemosynthetische, organotrophe Bakterien. Sie gewinnen ihre Energie aus dem Abbau von organischen Nährstoffen und verwenden die chemische Energie zur Neusynthese und für sekundäre Aktivitäten. Die Oxidation von Nährsubstraten kann auf dem Wege der Respiration oder Fermentation erfolgen. (Siehe Bakterienstoffwechsel)

Anaerobier-Infektionen:

Anaerobier sind meist wesentliche Komponente von abszedierenden Mischinfektionen in
oberem und unterem Respirationstrakt
Gastrointestinaltrakt
weiblichem Genitaltrakt
Infektionen der arteriosklerotischen Gangrän

Anaerobier können auch eine Rolle spielen bei Septikämie und Organabszessen (Hirn, Leber, Lunge usw.). Typisch ist der fötide Eiter. Die Erniedrigung des Oxidations-Reduktionspotentials bei schlecht durchblutetem Gewebe (besondere Körperstellen, Traumen, Arteriosklerose, maligne Tumoren, chemische Nekrosen usw.) sind krankheitsdisponierend.

Häufigste Erreger
Clostridien-Arten (grampositive, sporenbildende Stäbchen)
Bacteroides-fragilis-Gruppe
Prevotella
Fusobakterien
– Anaerobe Kokken
Aktinomyces-Arten
Anaerobiernachweis:

– Voraussetzung ist der optimale Transport des Untersuchungsmaterials (ohne Sauerstoffzutritt)
– adäquate Züchtungsbedingungen (wegen des langsamen Wachstumes und der Bestimmungs-Schwierigkeiten erfordert es oft viel Zeit bis endgültige Resultate vorliegen)
– der Nachweis nur einer Anaerobenart oder die ausschließliche Anzüchtung von aeroben Keimen darf bei typischem Krankheitsbild nicht zu dem falschen Schluss führen, dass eine Monoinfektion vorliegt bzw. keine Anaerobier in der Mischinfektion vorhanden sind.
– wichtig ist die mikroskopische Untersuchung des Direktausstriches
Antibiotika-Therapie:

– da Anaerobier-Infektionen fast immer Mischinfektionen sind, muss immer das Infektions-typische Erregerspektrum von aeroben und anaeroben Keimmen erfasst werden

Klinische Wirksamkeit von Antibiotika bei Anaerobiern
Penicillin G,
Ampicillin
Cefoxitin
Cefotetan
Piperacillin/ Tazobactam
Imipenem
Meropenem
Clindamycin
Metronidazol
Clostridien-Arten
+
(+)
Bacteroides-fragilis-Gruppe
Ø
+
+
Prevotella
Fusobakterien
Anaerobe Kokken
+
Aktinomyces-Arten
Ø

= fast immer wirksam + = meistens wirksam (+) = unsicher wirksam Ø = fast immer unwirksam

Bei pseudomembranöser Enterokolitis (während oder nach einer Antibiotika-Therapie) durch Clostridium difficile ist das Vancomycin per os das Mittel der Wahl.


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