Fieberkrampf (Infektkrampf)

Diagnose

Therapie

Handelspräparate

Literaturauswahl

Definition Akuttherapie Antikonvulsiva
Einteilung Prophylaxe / Langzeittherapie Antipyretika
Symptome Diazepam-Rektiolen
Diagnostik

Diagnose
Die Angaben zu den einzelnen Indikationen und deren Diagnose stellen nur kurze Hinweise dar. Sie können und sollen keinesfalls das Studium der einschlägigen Lehrbücher bzw. Fachliteratur ersetzen.

Fieberkrampf (Infektkrampf)

Definition
Epileptische Reaktion, die im frühen Kindesalter im Rahmen fieberhafter, extrazerebraler Infekte auftritt.

Häufigkeit
Morbidität bei Kindern von " bis 6 Jahren 3–4%, Häufigkeitsgipfel 2. LJ.; Rezidiv bei 40% der betroffenen Kinder


Einteilung

Einfache Infektkrämpfe
Fehlen der unten genannten Risikofaktoren
Komplizierte Infektkrämpfe

Bei Vorhandensein eines der folgenden Risikofaktoren
– Zerebrale Vorschädigung oder familiäre Belastung
– Prolongierter Anfall (länger als 15 Min.)
– Beginn außerhalb des Prädilektionsalters (½–5 Jahre)
– "Epilepsie-spezifisches" Intervall-EEG
– Herdsymptome im Anfall (fokaler Beginn, Seitenbetonung) oder nach dem Krampfgeschehen (neurologische Seitendifferenz, Lähmungen)
– Mehrmalige Wiederholung während eines Infektes
– Mehr als insgesamt dreimalige Wiederholung

Ätiologie (auslösende Erkrankungen)
– Häufig katarrhalische Infekte der oberen Luftwege, Exanthema subitum (Drei-Tage-Fieber)
– Seltener Darminfektionen, Otitis media, Masern, Pneumonie, Harnwegsinfekte etc.
– Familiäre Vorbelastung und zerebrale Vorschädigung erhöhen das Risiko

Anamnese
– Anfallsart und -dauer, Beziehung zum Fieberverlauf
– Infektsymptome (Schnupfen, Husten, Diarrhoe, Exanthem etc.)
– Familienanamnese, frühere Krampfanfälle, zerebrale Vorschädigung

Symptome
Meist kurz vor oder im Fieberanstieg
– Tonisch-klonische Grand mal-Anfälle (am häufigsten)
– Fokale motorische Anfälle (ca. 15% der Fälle, oft Halbseitenkrämpfe)
– Rein tonische oder atonische Anfälle (selten)
– Häufig postiktaler Schlaf, nach lang anhaltenden Krämpfen Bewusstseinstrübung für Stunden möglich; nach fokalen Anfällen manchmal postiktale Paresen (meist Stunden bis Tage dauernd, sehr selten bleibend)

Diagnostik
– Laboruntersuchungen je nach vermuteter Ätiologie (Blutbild, BKS, CRP, Stuhluntersuchung, Urinstatus, Serologie etc.)
– Lumbalpunktion (Zellzahl, Zelldifferenzierung, Liquorkultur, Zucker, Eiweißgehalt, evtl. Antigenbestimmung) oft unumgänglich, da Abgrenzung zur Meningitis schwierig; bei Verzicht unbedingt stationäre Überwachung zur klinischen Verlaufskontrolle!
– EEG

Differentialdiagnose
– Meningitis, Enzephalitis (Unterscheidung oft nur durch Liquoruntersuchung möglich!)
– Sonstige Gelegenheitskrämpfe (z. B. Hypoglykämie, Hypokalzämie, Stoffwechselerkrankungen etc.)
– Affektkrämpfe, Synkopen

Komplikationen
– Status, prolongierter Anfall —> iktogener Hirnschaden möglich
– Postiktale Paresen nach fokalen Anfällen

Prognose
– Bei einfachen Infektkrämpfen gut, Dauerschäden sehr selten; auch bei Rezidivneigung in 90% der Fälle Sistieren bis zum 5. LJ.
– Bei komplizierten Infektkrämpfen Defektsymptome möglich

Merke
– Bei jedem Infektkrampf Meningitis ausschließen!
– Nach erstem Infektkrampf unbedingt EEG

 

Seitenanfang

Therapie
Die Therapieempfehlungen entsprechen dem aktuellen Stand der Medizin und werden bei Bedarf, mindestens jedoch ein Mal pro Jahr überarbeitet bzw. aktualisiert.
Für die medikamentöse Therapie werden vom Autor in der Regel nur die Substanzgruppen bzw. Substanzen angegeben. Im Falle einer Präparate-Nennung von Seiten der Pharma-Industrie, wird die Substanzgruppe oder Substanz mit dem Präparat im Teil Handelspräparate aus dem Pharmaangebot verlinkt.

Akuttherapie
Diazepam-Rektiole 5 mg (Säuglinge ", Kleinkinder 1–1½)
– Bei prolongierten Krämpfen oder fehlender Reaktion auf Diazepam-Rektiolen evtl. Clonazepam i.v. (Säuglinge 0,5 mg, Kleinkinder 0,5–1 mg); cave: Atemdepression!
– Antipyretische Maßnahmen (Hydrotherapie, Antipyretika)

Prophylaxe / Langzeittherapie
– Nach einem Infektkrampf müssen im Haushalt des betroffenen Kindes Diazepam-Rektiolen vorrätig sein!
– Bei fieberhaften Infekten bis zum 6. LJ. antipyretische Maßnahmen
– Bei unkomplizierten Infektkrämpfen in der Regel keine medikamentöse Prophylaxe notwendig
– Bei komplizierten Infektkrämpfen (vor allem sehr häufigen Rezidiven, prolongierten oder serienartig auftretenden Anfällen, pathologischem EEG-Befund) evtl. antikonvulsive Dauertherapie erforderlich (s. a. Anfallsleiden, zerebrale [Kind]); in Frage kommen
Phenobarbital 3–4(–8) mg/kg KG pro die in 1–2 Einzeldosen; Mittel der ersten Wahl
Primidon ca. 20 mg/kg KG pro die in 2–3 Einzeldosen
Valproinsäure 20–30 mg/kg KG pro die in 2–3 Einzeldosen
Ausschleichende Therapiebeendigung nach 2 Jahren Anfallsfreiheit, wenn das EEG normal ist
Allgemeine Hinweise zur antikonvulsiven Therapie s. Anfallsleiden, zerebrale (Kind)

 

Seitenanfang

Handelspräparate aus dem Pharmaangebot
Die Präparate-Nennungen erfolgen durch die Sponsoren unserer Webseite. Der Benutzer ist angehalten, sich vor Verschreibung eines Medikaments durch sorgfältige Prüfung der jeweiligen Fachinformation zu vergewissern, ob die dort vorliegenden Informationen zu Indikation, Kontraindikation und Dosierung von den Angaben auf dieser Webseite evtl. abweichen (siehe auch Haftungsausschluss).
Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen für die Anwendung, Wechselwirkungen mit anderen Mitteln sowie Nebenwirkungen sind der veröffentlichten Fachinformation zu entnehmen.

Antikonvulsiva

Keine aktuellen Präparate-Nennungen


Antipyretika

Keine aktuellen Präparate-Nennungen


Diazepam-Rektiolen

Keine aktuellen Präparate-Nennungen


 

Seitenanfang

Literaturauswahl
Die ausgewählte Literatur bezieht sich auf die in diesem Kapitel erwähnten Indikationen und deren Therapie. Sie wird vom Autor des Kapitels bzw. von den Herstellern der hier erwähnten Arzneimittel zur Verfügung gestellt.
 

 


 

Seitenanfang

© AHC (Austrian Health Communication);
Webmaster: ImageConsult EDV-BeratungsGmbH