Glomerulonephritis

Diagnose

Therapie

Handelspräparate

Literaturauswahl

Definition und Einteilung

Akute postinfektiöse Glomerulonephritis Antibiotika
Akute postinfektiöse Glomerulonephritis Rasch progrediente Glomerulonephritis ACE-Hemmer
Rasch progrediente Glomerulonephritis Chronische Glomerulonephritis Antihypertonika
Chronische Glomerulonephritis Diuretika
Glukokortikoide
Zytostatika

Diagnose
Die Angaben zu den einzelnen Indikationen und deren Diagnose stellen nur kurze Hinweise dar. Sie können und sollen keinesfalls das Studium der einschlägigen Lehrbücher bzw. Fachliteratur ersetzen.

Glomerulonephritis

Definition
Entzündung der Glomeruli durch (meist) immunologische Noxen; klinisch einhergehend mit akutem nephritischem Syndrom oder nephrotischem Syndrom oder asymptomatischem pathologischen Harnbefund.

Einteilung
1. nach Klinik
– (nephritisch – nephrotisch)
2. nach Histologie
– (Minimal-Läsion, Mesangio-endothelio GN), Membran-proliferative GN, epimembranöse GN, extrakapillar – viele andere Nomenklaturen existieren)
3. nach Pathomechanismus
– Immunhistologie:
• Immunkomplexerkrankung (granuläre Immundepots), idiopathische Imunkomplexnephritis, akute Poststreptokokken-Glomerulonephritis, TLE u. a..
• Antibasalmembrannephritis (unklare Immunablagerungen)
– ohne glomeruläre Immunablagerungen: Minimal-Läsion, Glomerulonephritis bei Vaskulitis
4. nach klinischem Verlauf
• rasch progredient (perakut / subakut)
• akut
• chronisch
5. nach Ätiologie
– nur selten ist das entsprechende ätiologische Agens bekannt: poststreptokokkale Glomerulonephritis; Lupusnephritis

Wichtige Sonderformen

Akute postinfektiöse Glomerulonephritis
(Poststreptokokken Glomerulonephritis)

Ätiologie
Immunkomplexablagerungen nach akuter Infektion (meist mit nephritogenen Streptokokkenstämmen)

Klinik
– Akutes nephrotisches Syndrom (Ödeme, Hypertonie, Oligo-Anurie, rotbrauner Harn)
– allgemeine Müdigkeit, Fieber, Schmerzen in beiden Nierenlagern, zerebrale Symptome (Eklampsie)
– Auftreten der Symptome: 2–3 Wochen nach Streptokokkeninfekt (Pharyngitis, Tonsillitis, Otitis, Pyodermie)

Diagnostik
Labor
– Harn
• Erythrozyturie(dysmorphe glomeruläre Erythrozyten), Eryzylinder
• Proteinurie (über 2 g/die; glomeruläre Proteinurie in Harn-Elektrophorese)
• hyaline Zylinder
– Blut
• Azotämie, (Kreatinin, Harnstoff); Senkung, CRP
• Antistreptolysintiter
Sonographie
Nieren beidseits vergrößert (DD: chronische Nierenerkrankung)
Nierenbiopsie
Bei eindeutiger Anamnese und Klinik nicht nötig

Prognose
Die Prognose ist im Kindesalter gut: 95% der Fälle heilen vollständig aus, als Restzustand kann 6–12 Monate lang eine Hämaturie und Proteinurie zurückbleiben

Rasch progrediente Glomerulonephritis
("Rapid progressive", perakute, subakute GN, rpGN, extrakapilläre mesangio-proliferative GN mit diffuser Halbmondbildung)

Ätiologie

a) rpGN Typ I Antibasalmembrannephritis ohne oder mit Goodpasture Syndrom, Lungenhämorrhagie
b) rpGN Typ II Immunkomplexnephritis; idiopathisch oder bei LE, Endokarditis;gemischte essentielle Kryoglobulinämie
c) rpGN Typ III ohne Immunablagerungen, meist histologisches Korrelat einer Vaskulitis (Wegener'schen Granulomatose, Panarteriitis nodosa,Schönlein-Henoch-Purpura)

Klinik
Akutes nephritisches Syndrom oder akute Niereninsuffizienz; unbehandelt rasches Fortschreiten zur Niereninsuffizienz Oligurie / Anurie

Diagnostik
Labor
– Harn
• nephritisches Sediment Erythrozyturie
• Proteinurie > 3 g
• Zylinder
– Blut
Azotämie: Kreatinin, Harnstoff, Senkung CRP
• zirkulierende Antibasalmembran AK (Goodpasture Syndrom)
• antizytoplasmatische Antikörper ANCA, ACPA
(Wegern'sche Granulomatose; Vaskulitis)

Chronische Glomerulonephritis
(Histologisch: Mesangioproliferative Glomerulonephritis,membranoproliferative Glomerulonephritis,fokal sklerosierende Glomerulonephritis)

Ätiologie
Fast immer Immundepots glomerulär nachweisbar

Klinik
– Beginn der Erkrankung meist nicht feststellbar, schleichender Verlauf über Jahre und Jahrzehnte
– Diagnostisches nephrologisches Leitsyndrom oft: asymptotischer pathologischer Harnbefund ("oligosymptomatische Glomerulonephritis")
– Manchmal auch nephrotische Verlaufsform bzw. Leitsyndrom chronischer Niereninsuffizienz

Diagnostik
Labor
– Harn: Erythrozyturie, glomeruläre dysmorphe Ery, Eryzylinder; Proteinurie meist > 2 g, glomeruläre Proteinurie, Zylinder
– Blut: evtl. Azetämie, Kreatinin erhöht, Harnstoff, Ges EW erniedrigt, Lipide erhöht; Ephoresezeichen bei nephrotischem Syndrom
– Immunologische Untersuchungen
• Basalmembran AK (ABM-Nephritis)
• ANA, Anti DNA-AK (systemischer LE)
• ANCA/ACPA (Wegener Vaskulitis)
• C3/C4/CH100 ( hypocomplementämische GN)
• Immunglobuline quart (IgA-Nephritis)
• Immun-E-phorese
• Kryoglobuline
Sonographie: Nierengröße
Nierenbiopsie

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Therapie
Die Therapieempfehlungen entsprechen dem aktuellen Stand der Medizin und werden bei Bedarf, mindestens jedoch ein Mal pro Jahr überarbeitet bzw. aktualisiert.
Für die medikamentöse Therapie werden vom Autor in der Regel nur die Substanzgruppen bzw. Substanzen angegeben. Im Falle einer Präparate-Nennung von Seiten der Pharma-Industrie, wird die Substanzgruppe oder Substanz mit dem Präparat im Teil Handelspräparate aus dem Pharmaangebot verlinkt.

Akute postinfektiöse Glomerulonephritis

– Bettruhe während aktiver Phase
– Ödembehandlung: Flüssigkeitsrestriktion, (Bilanz!) salzarme Kost, Schleifendiuretika, extrakorporale Verfahren zur Flüssigkeitsentfernung
Hypertoniebehandlung
– Eiweißrestriktion bei deutlicher Anämie
Antibiotika (Penicillin, z. B. Phenoxymethylpenicillin, 3x 400 mg tgl. über 2 Wochen)
– Bei Penicillinallergie Makrolide

Rasch progrediente Glomerulonephritis

– Allgemeintherapie wie bei akuter Glomerulonephritis (Bettruhe, Salz-, Eiweiß- Flüssigkeitsrestriktion bei Bedarf)
– Spezifische Immuntherapie
Kortison: anfänglich als Pulstherapie ( z.B. 3 Tage je 1 g Methylprednisolon), dann oral weiter
Zytostatika: als Pulstheraphie (1 g Cyclophosphamid i.v. 1x monatlich bis zu 12 Monate lang), als orale Therapie (1–2 mg/kg KG täglich als Dauertherapie bis zu 2 Jahren)

Chronische Glomerulonephritis

Spezifische Therapie
Obwohl bei fast allen chronischen Glomerulonephritiden glomeruläre Immunablagerungen gefunden werden können, ein Immunpathomechanismus also anzunehmen ist, bringt eine immunsuppressive Therapie wenig zufriedenstellende Resultate. Eine spezifische Therapie mit Kortikoiden und Zytostatika ist daher meist nicht indiziert.

Allgemeine Therapie

– antihypertensive Therapie verhindert Hochdruckfolgen und Progression des Nierenleidens durch Verminderung der Glomerulusstenose. ACE-Hemmer scheinen sich hier besonders zu bewähren.
– Eiweißrestriktion auf 0,8 g Protein/kg KG und Tag sollte schon frühzeitig begonnen werden um eine Progression des Nierenleidens zu mildern
– weitere Maßnahmen siehe chronische Niereninsuffizienz

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Handelspräparate aus dem Pharmaangebot
Die Präparate-Nennungen erfolgen durch die Sponsoren unserer Webseite. Der Benutzer ist angehalten, sich vor Verschreibung eines Medikaments durch sorgfältige Prüfung der jeweiligen Fachinformation zu vergewissern, ob die dort vorliegenden Informationen zu Indikation, Kontraindikation und Dosierung von den Angaben auf dieser Webseite evtl. abweichen (siehe auch Haftungsausschluss).
Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen für die Anwendung, Wechselwirkungen mit anderen Mitteln sowie Nebenwirkungen sind der veröffentlichten Fachinformation zu entnehmen.

Antibiotika

Makrolide

Josalid 250 mg- / 500 mg- / 750 mg - Filmtabletten / Josalid 250 mg/ 375 mg/5 ml-Saft für Kinder
[Biochemie GmbH] Josamycin filmtabl. :250/ 500/ 750 mg; saft: 250/ 375 mg/5 ml; Dos.: s. Fachinformation

Penicillin V

Ospen 1000- / 1500 - Filmtabletten
[Biochemie GmbH] Phenoxymethylpenicillin (Penicillin V-Säure) filmtabl. 1 Mio. I.E. entspr. ca. 600 mg/ 1,5Mio. I.E. entspr. ca.900 mg Dos.: s. Fachinformation

Ospen 400- / 750-Saft
[Biochemie GmbH] Phenoxymethylpenicillin (DBED-Penicillin V) saft 400.000 I.E./ 5 ml entspr. ca. 250 mg/ 750.000 I.E./ 5 ml entspr. ca. 450 mg Dos.: Fachinformation


ACE-Hemmer

Keine aktuellen Präparate-Nennungen


Antihypertonika

Keine aktuellen Präparate-Nennungen


Diuretika

Keine aktuellen Präparate-Nennungen


Glukokortikoide

Keine aktuellen Präparate-Nennungen


Zytostatika

Keine aktuellen Präparate-Nennungen


 

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Literaturauswahl
Die ausgewählte Literatur bezieht sich auf die in diesem Kapitel erwähnten Indikationen und deren Therapie. Sie wird vom Autor des Kapitels bzw. von den Herstellern der hier erwähnten Arzneimittel zur Verfügung gestellt.
 

 


 

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