Hepatitis

Diagnose

Therapie

Handelspräparate

Literaturauswahl

Definition

Therapieempfehlungen Impfstoffe
Akute Virushepatitis Immunglobuline
Hepatitis bei Virusinfektionen Interferon-alpha
Alkoholische Hepatitis
Medikamenteninduzierte Hepatitis

Diagnose
Die Angaben zu den einzelnen Indikationen und deren Diagnose stellen nur kurze Hinweise dar. Sie können und sollen keinesfalls das Studium der einschlägigen Lehrbücher bzw. Fachliteratur ersetzen.

Hepatitis

Definition
Entzündliche Reaktion der Leber mit Nekrose von Parenchymzellen unterschiedlichster Ätiologie

Akute Virushepatitis

(sog. "klassische" Hepatitiden)

Virushepatitis-A (HAV)
Inkubationszeit 15–45 Tage, meist epidemisch, Dauer einige Wochen, kein Übergang in chronischen Verlauf

Virushepatitis-B (HBV)
Inkubationszeit 25–180 Tage, meist sporadisches Auftreten, Übertragung parenteral oder durch Speichel und andere Körperflüssigkeiten, Übergang in chronischen Verlauf in ca. 5 %

Virushepatitis C
Inkubationszeit bis 180 Tage, häufig nach Bluttransfusion, chronischer Verlauf (70%)

Virushepatitis D
Hepatitis durch Delta-Antigen (HDV): Das Virus benötigt HBV-Hüllprotein (HBsAg) zur Komplettierung des eigenen Genoms. Tritt daher nur bei HBsAg-positiven Patienten als Superinfektion auf. Verdacht auf Delta-Hepatitis: "akuter Schub" bei HBsAg-positiven Patienten

Virushepatitis E
epidemisch, nicht in unseren Breiten

Exponierte Personengruppen für HBV- und HCV-Infektion: Ärzte, Schwestern, Laborpersonal, Dialysepatienten, Dialysepersonal, Empfänger von Bluttransfusionen oder Plasmaprodukten; in Kommunen, Heimen und Asyllagern lebende Personen; Kranke mit Immundefekten, i.v.-Drogenabhängige

Hepatitis bei Virusinfektionen

Gelbfieber
In Südamerika und Afrika, Übertragung durch Moskitos

Infektiöse Mononukleose
Epstein-Barr-Virus = menschliches Herpes Virus 4, betrifft junge Erwachsene, Übertragung oral

Zytomegalie
Zytomegalie-Virus = menschliches Herpes Virus 5, Übertragung oral

Herpes-Hepatitis
Herpes Virus 1, multipler Organbefall

Coxsackie-Hepatitis
Teil des multiplen Organbefalls

Mumps-Hepatitis

Alkoholische Hepatitis

Bei exzessivem Alkoholgenuss: Fieber, Leukozytose, Ikterus, Hämolyse; charakt. SGOT >SGPT

Medikamenteninduzierte Hepatitis

Vorhersehbar: 6-Mercaptopurin; hohe Dosen Paracetamol ( > 7–12 g)
Nicht vorhersehbar: allergisches Geschehen nicht auszuschließen, evtl. bedingt durch toxische Metaboliten eines Pharmakons

Manifestationsformen der Virushepatitis
Bei 20–30% typischer ikterischer Verlauf; anikterische Verlaufsform bei ca. 70% der Erkrankten (große Dunkelziffer)
Fulminante Hepatitis (Leberzerfallkoma): < 0,5%
Bei 5–10% Bild einer intrahepatischen Cholestase (meist ältere Pat.)

Prodromi

Bei Hepatitis A mehrere Tage, bei Hepatitis B und Hepatitis C mehrere Wochen, uncharakteristische Beschwerden (Unwohlsein, Abgeschlagensein, Inappetenz, Übelkeit, Kopfschmerzen), Obstipation oder Diarrhoe, Erbrechen, Gliederschmerzen, Juckreiz, dunkler Urin, evtl. abdominelle Krämpfe, katarrhalischer Infekt, Fieber

Symptome

Subjektive Beeinträchtigungen schwinden oft mit Ikterusbeginn
– Vergrößerte, u.U. schmerzhafte Leber (Leberdämpfung > 13 cm)
– Bei 20–30% der Erkrankten tastbar vergrößerte Milz
– Ikterus, meist Vollbild in wenigen Tagen und nur allmähliches Abblassen innerhalb von 30, selten 60 Tagen
– Dunkler Urin (heller Schüttelschaum, Wäscheflecken), u.U. heller Stuhl Acholie)

Diagnostik

Labor
GPT erhöht > GOT erhöht
– Veränderungen der Sekretions- und Entgiftungsleistungen
Bilirubin im Urin +. Bilirubin im Serum erhöht. Alkalische Phosphatase, LAP und Gamma-GT im oberen Normbereich bzw. bei cholestatischem Einschlag erhöht.
– Serumeisen erhöht
– Beeinträchtigungen des Eiweiß-, Fett- und Kohlenhydratstoffwechsels
– Quickwert bei schweren Fällen zwischen 20–65%, keine Besserung unter Vitamin K; Antithrombin, Fibrinogen und Haptoglobin erhöht; ß-, Gamma-Globulinvermehrung im späteren Verlauf bei normalem Gesamteiweiß; Cholesterin bei leichten Fällen erhöht, bei schwerem Verlauf normal oder erhöht; Cholinesterasesturz.
Serologie
– Screening; HBsAg, anti-HBc, anti-HBc-IgM, anti-HAV-IgM. Bei HBV zur zeitlichen Bestimmung der Infektion zusätzlich HBeAg, anti-Habe. Die unterschiedliche Kombination der HBV-Marker erlaubt die Einschätzung des zeitlichen Verlaufes der Erkrankung
– Nachweisbar ist eine Virämie (HBV; HCV) mittels der Polymerase-Chain-Reaktion (PCR) (DNA und RNA-Nachweis) im Serum und in Lymphozyten
( = molekularbiologische Speziallaboratorien)
– HB-Virus gilt als onkogen (primäres Leberkarzinom). Bei HBsAg positiven Trägern daher jährlich alpha-1-Fetoprotein bestimmen, evtl. Ultraschall der Leber (oder CT, NMR). Beachte gute Operationschancen
– Anti-HCV, HCV-PCR; bei der akuten Hepatitis C ist die HCV-PCR oft einige Wochen vor dem Erscheinen des Anti-HCV-Antikörpers positiv.
– Perkutane Leber - Biopsie oder Laparoskopie (bei unklarer Diagnose) mit Immunhistologie evtl. Virusnachweis (PCR) im Lebergewebe

Prognose der Virushepatitis

Ausheilung:
HAV: 100 %
HBV: 95 %
HCV: 10 - 20 %
in weniger als 1 % fulminante Verlaufsformen
– Restbeschwerden: Posthepatitissyndrom (?) (Ermüdbarkeit, Völlegefühl, Nahrungsunverträglichkeit, psychische Labilität)

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Therapie
Die Therapieempfehlungen entsprechen dem aktuellen Stand der Medizin und werden bei Bedarf, mindestens jedoch ein Mal pro Jahr überarbeitet bzw. aktualisiert.
Für die medikamentöse Therapie werden vom Autor in der Regel nur die Substanzgruppen bzw. Substanzen angegeben. Im Falle einer Präparate-Nennung von Seiten der Pharma-Industrie, wird die Substanzgruppe oder Substanz mit dem Präparat im Teil Handelspräparate aus dem Pharmaangebot verlinkt.

Akuttherapie
Für die klinische Virushepatitis C ist eine Akuttherapie mit täglich 10 Mill. Einheiten Interferon-alpha subkutan empfehlenswert, da die Chronifizierungsrate von 70 bis 80 % auf ca. 30 % gesenkt werden kann. Die Therapie soll bis zur Normalisierung der Transaminasen und Negativierung der HCV-PCR (üblicherweise 3 - 4 Wochen) fortgeführt werden.

Weitere Therapieempfehlungen
– Diät: Leicht verdauliche Normalkost, bei Übelkeit und Erbrechen eventuell Flüssigkeits- und Elektrolytersatz
– Alkoholverbot
– strenge Bettruhe oder Spitalsaufnahme nicht generell notwendig
– Eine Kortikosteroid-Behandlung ist nicht indiziert; bei fulminanten Verlaufsformen rechtzeitige Kontaktaufnahme und Transferierung des Patienten an ein Lebertransplantationszentrum (ab PTZ < 30 %)

Hinweis für den Kassenarzt:
Seit 1982 ist der Impfstoff gegen Hepatitis B in Österreich verfügbar.

Offiziell ist die Impfung empfohlen für
– alle in medizinischen Berufen (mit Blutkontakt) tätigen Personen
– Hämodialyse-Patienten
– Patienten welche regelmäßig Blut oder Blutderivate erhalten
– geistig behinderte Pfleglinge und deren Pflegepersonal
– Neugeborene, dern Mütter HBs-Antigen-Träger sind
– Personen, bei denen die Abwehrkräfte wegen einer Erkrankung herabgesetzt wurden
– Haushaltsangehörige von HBs-Antigen-Trägern
– Sexualpartner von HBs-Antigen-Trägern
– Personen mit häufigem Wechsel von Sexualpartnern
– intravenös Drogenabhängige
– Reisende in Gebiete mit hoher Hepatitis-B-Durchseuchung, wenn enger Kontakt mit einer einheimischen Bevölkerung zu erwarten ist.
Diese (sehr teure) Impfung wird von der Kranken-Unfall-Versicherung bezahlt, weil damit (zu mehr als 90 Prozent) die Vermeidung einer anerkannten Berufskrankheit möglich ist.

Prophylaxe und gesetzliche Maßnahmen
Eine Isolation ist heute nicht mehr gerechtfertigt, da die Stuhlausscheidung des HAV-Virus bei Beginn der klinischen Erkrankung bereits sistiert hat und sowohl Hepatitis B als auch Hepatitis C nicht als Schmutz- oder Schmierinfektion übertragen werden. Die üblichen Desinfektions- und Sterilisationsmaßnahmen im Krankenhaus reichen aus. Einmalgeräte. Meldepflicht für den Arzt für jeden diagnostizierten Fall, Inanspruchnahme von Gemeinschaftseinrichtungen (z.B. Schulfähigkeit) erst wenn alle Symptome abgeklungen sind.

Immunprophylaxe

Gegen Hepatitis A und Hepatitis B steht eine wirksame aktive Schutzimpfung zur Verfügung. Impfschema: 0, 1, 6 Monate. Der Impfschutz gegen Hepatitis A hält mehr als 10 Jahre an, bezüglich der Auffrischungsintervalle für Hepatitis B Impfung siehe nachfolgende Tabelle. Für die Hepatitis B ist eine postexpositionelle Simultanprophylaxe mit Hepatitis B-Impfstoff und Hepatitis B-Immunglobulin für exponierte Personen und Neugeborene von HBs-Antigen-positiven Müttern etabliert. Eine postexpositionelle Prophylaxe gegen Hepatitis C ist nicht verfügbar. Nach Nadelstichverletzungen an HCV-positiven Patienten empfiehlt sich eine monatliche Kontrolle der Transaminasen, da bei Auftreten und Erkennen einer akuten (oft asymptomatischen) Hepatitis ein Therapieprotokoll mit Interferon-alpha mit ausgezeichnetem Erfolg zur Verfügung steht.
Seit 1998 ist die generelle Durchimpfung von Kindern ab dem 3. Lebensjahr empfohlen. Es empfiehlt sich zusätzlich die aktive Prophylaxe gegen Hepatitis A Infektion.

Empfehlungen zur Kontrolle des Impferfolges und zur Auffrischungsimpfung nach JILG et a.

Anti-HBs nach Grundimmunisierung (IU/l) Vorgehen
= od. < 10 Wiederimpfung 3 Monate nach Grundimmunisierung
11 - 100 Wiederimpfung 3 - 6 Monate nach Grundimmunisierung
101 - 1000 Anti-HBs-Kontrolle ½ - 1½ Jahre nach Grundimmunisierung, gegebenenfalls Wiederimpfung*
1001 - 10000 Anti-HBs-Kontrolle 1½ - 3½ Jahre nach Grundimmunisierung, gegebenenfalls Wiederimpfung*
> 10000 Anti-HBs-Kontrolle 3½ - 6 Jahre nach Grundimmunisierung, gegebenenfalls Wiederimpfung

* wenn Anti-HBs = od. < 10 IU/l

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Handelspräparate aus dem Pharmaangebot
Die Präparate-Nennungen erfolgen durch die Sponsoren unserer Webseite. Der Benutzer ist angehalten, sich vor Verschreibung eines Medikaments durch sorgfältige Prüfung der jeweiligen Fachinformation zu vergewissern, ob die dort vorliegenden Informationen zu Indikation, Kontraindikation und Dosierung von den Angaben auf dieser Webseite evtl. abweichen (siehe auch Haftungsausschluss).
Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen für die Anwendung, Wechselwirkungen mit anderen Mitteln sowie Nebenwirkungen sind der veröffentlichten Fachinformation zu entnehmen.

Impfstoffe

Engerix-B (r-DNA Hepatitis B-Impfstoff) 10 µg-Spritzampulle bis zum 15. Lebensjahr
[GlaxoSmithKline Pharma GmbH] spritzamp. 0,5 ml sterile Suspension enthält 10 mcg Hepatitis-B-Oberflächenantigen; Dos.: s. Fachinformation

Engerix-B (r-DNA Hepatitis B-Impfstoff) 20 µg-Spritzampulle
[GlaxoSmithKline Pharma GmbH] spritzamp. 1 ml sterile Suspension enthält 20 mcg Hepatitis-B-Oberflächenantigen; Dos.: s. Fachinformation

Havrix (Hepatitis A-Impfstoff) 360 EI.U / 0,5 ml-Spritzampulle bis zum 15. Lebensjahr
[GlaxoSmithKline Pharma GmbH] spritzamp. 0,5 ml sterile Suspension enthält 360 Elisa-Einheiten (El.U) Hepatitis A-Virus inaktiviert; Dos.: s. Fachinformation

Havrix (Hepatitis A-Impfstoff) Junior 720 EI.U / 0,5 ml-Fertigspritze
[GlaxoSmithKline Pharma GmbH] spritzamp. 0,5 ml sterile Suspension enthält 720 Elisa-Einheiten (El.U) Hepatitis A-Virus Antigen; Dos.: s. Fachinformation

Havrix (Hepatitis A-Impfstoff) 720 EI.U / ml-Spritzampulle
[GlaxoSmithKline Pharma GmbH] spritzamp. 1 ml sterile Suspension enthält 720 Elisa-Einheiten (El.U) Hepatitis A-Virus inaktiviert; Dos.: s. Fachinformation

Havrix (Hepatitis A-Impfstoff) 1440 EI.U / ml-Fertigspritze für Erwachsene
[GlaxoSmithKline Pharma GmbH] spritzamp. 1 ml sterile Suspension enthält 1440 Elisa-Einheiten (El.U) Hepatitis A-Virus Antigen; Dos.: s. Fachinformation

Twinrix Erwachsene 20 µg / ml-Injektionssuspension-Monodosis-Glasfläschchen
[GlaxoSmithKline Pharma GmbH] glasfl. 1 ml Suspension enthält 720 Elisa-Einheiten (El.U) Hepatitis A- und 20 mcg Hepatitis-B-Kombinationsimpfstoff; Dos.: s. Fachinformation


Immunglobuline

Keine aktuellen Präparate-Nennungen


Interferon-alpha

Keine aktuellen Präparate-Nennungen


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Literaturauswahl
Die ausgewählte Literatur bezieht sich auf die in diesem Kapitel erwähnten Indikationen und deren Therapie. Sie wird vom Autor des Kapitels bzw. von den Herstellern der hier erwähnten Arzneimittel zur Verfügung gestellt.
 

 


 

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