Meningitis (Kinder)
Definition Inkubationszeit Differentialdiagnose
Erreger Klinik Antiinfektiöse Therapie
Epidemiologie Prophylaxe Komplikationen
Übertragung Diagnostik Links
o o Handelspräparate aus dem Pharmaangebot


Petechien bei Meningokokken-Meningitis

Definition:

Entzündung der Hirnhäute
Erreger:

Eitrige Meningitis
Kinder > 3 Monate:
Haemophilus influenzae Typ B,
Streptococcus pneumoniae (Pneumokokken),
Neisseria meningitidis (Meningokokken).
– Andere Erreger (Streptokokken, Staphylokokken, Salmonellen etc.) bei Immundefekt und/oder bei speziellen Krankheiten (Cystischer Fibrose, Sichelzellanämie, Leukämie, Nephrose etc.)
Säuglinge < 3 Monate:
– zusätzlich B-Streptokokken (Infektion über Geburtskanal),
E. coli,
Enterobacter,
Klebsiellen

Seröse Meningitis
Bakteriell (selten): Mykobakterien (Tbc), Brucellen, Leptospiren, Spirochäten, Listerien etc., alle anbehandelten Meningitiden
Viral (häufig): vor allem Mumpsviren, Echoviren, Coxsackie-Viren
Mykotisch (extrem selten): vor allem Candida, in der Regel nur bei abwehrgeschwächten Patienten oder Frühgeborenen
Begleitmeningitis (sympathische Meningitis): als Nachbarschaftsreaktion bei Hirnabszess, Sinusitis, Mastoiditis etc., Shuntinfektion, Sinusvenenthrombophlebitis, Schädelosteomyelitis
Andere Krankheiten: LE, Sarkoidose, M. Behçet
Tumoren (Liquoraussaat)
Physikalisch: intrathekale Medikation, Bleivergiftung etc.
Andere Erreger: Rickettsien, Chlamydien, Protozoen etc.

Epidemiologie:

– Hämophilus-Meningitis hat durch die verfügbare Impfung in Österreich an Bedeutung verloren
– Meningokokken der Gruppen B und C (ca. 70:30) und Pneumokokken spielen nach wie vor eine wichtige Rolle
– Inzidenz der Meningokokken-Meningitis in Österreich < Erkrankungsfälle pro Jahr
– Mortalität in den ersten Lebensjahren 5 %, bei jungen Erwachsenen 25 %

Übertragung
– Tröpfcheninfektion
Inkubationszeit:
– Meningokokken: 2-4 Tage (manchmal auch länger, 5-10 Tage)
– Hämophilus influenzae: 1-3 Tage
– Pneumokokken: 2-5 Tage
Klinik:

– Sehr schwer zu diagnostizieren. Das große diagnostische Problem bei Meningokokken-Meningitis besteht darin, dass die Erstsymptome jenen einer viralen Infektion gleichen (Fieber, Pharyngitis, Tonsillitis, Laryngitis, Rhinitis, Müdigkeit, Gelenks- und Muskelschmerzen, Kopfschmerzen etc.) und sich der Allgemeinzustand innerhalb weniger Stunden rapide verschlechtert.
Symptome

Alle Altersstufen

– Neurologische Symptome: Bewusstseinstrübung, Krämpfe, zerebrales Erbrechen, selten neurologische Herdzeichen (z. B. Hemiplegie)
– Allgemeine Symptome: Kreislaufzentralisierung, schwer beeinträchtigter Allgemeinzustand
– Meningokokken-Meningitis: stecknadelkopfgroße Hautblutungen;
– bei perakuter Sepsis (Waterhouse-Friderichsen-Syndrom) schwerste, rasch fortschreitende Schocksymptomatik, disseminierte intravasale Koagulopathie mit großflächigen Hautblutungen und Organblutungen (z. B. Nebennierenrinde)
Neugeborene
– Temperaturschwankungen, verfallenes Aussehen, Ikterus, Thrombozytopenie oder Leukopenie können die einzigen Hinweiszeichen sein
– Tinkunlust, Erbrechen, Apnoen, Krämpfe
Säuglinge
Nackensteifigkeit nur inkonstant vorhanden; im Vordergrund unspezifische Symptome wie
– Berührungs- und Lagewechselempfindlichkeit, schrilles Schreien oder Wimmern, Tremor, ängstlicher Blick
– Anorexie, Dehydratation
– Fieber ohne erkennbare Ursache, kann auch fehlen
– Gespannte, vorgewölbte Fontanelle (fehlt bei Dehydratation!)
– Opisthotonus (krampfartige Reklination des Kopfes u. Überstreckung von Rumpf u. Extremitäten)
Ältere Kinder
– Tinkunlust, Erbrechen, Apnoen, Krämpfe
– Kopfschmerzen,
– Opisthotonus
– Nackensteifigkeit,
– positives Brudzinskisches und Kernigsches Zeichen
– Dreifußzeichen (beim Sitzen auf ebener Unterlage Unterstützung durch Hände),
– Kniekusszeichen (Berührung der Knie durch Mund nicht möglich)
Prophylaxe:

– HIB-Impfung
– Pneumokokkenimpfung: empfehlenswert bei prädisponierten Patienten (z.B. Splenektomierte)
– Geeignete Verhaltensmaßnahmen bei Meningokokken-Erkrankungen:

1) Meldepflicht
2) Isolierung für 24 Std. ab Beginn der antibiotischen Therapie
- Unterbringung des Patienten in einem Einzelzimmer
- Verwendung von Gesichtsmasken für das Personal
- Händedesinfektion nach Kontakt mit dem Patienten oder mit Gegenständen, die mit Nasopharyngealsekreten des Patienten kontaminiert sind
3) Desinfektion von Nasopharyngealsekreten und damit kontaminiertem Material
4) Aufklärung von Kontaktpersonen
5) Impfung?

– Chemoprophylaxe für Personen mit engem Kontakt (Familie, Krabbelstuben, medizinisches Personal)
Chemoprophylaxe von Kontaktpersonen
– Meningokokken, Influenza: Kinder in der Wohngemeinschaft 20 mg/ kg/ die Rifampicin für 2 Tage in 2 ED (bei Inakzeptanz Ceftriaxon i.m. 1x 250–500 mg). Säuglinge 10 mg/ kg / die in 2 ED
Erwachsene Ciprofloxacin 1x 1 Tablette a 750 mg.

Diagnostik:

– Liquor: Zellzahl und Zelldifferenzierung, Ausstrich mit Gram- und Methylenblaufärbung, Glukose, Eiweißgehalt, bakteriologische Kultur, Antigenbestimmung, evtl. Versuch eines Virus- oder Pilznachweises, Schnelltests zur Erregeridentifikation, säurefeste Stäbchen bei Tbc
– Blut: Blutbild, CRP, Glukose, Blutkultur, Gerinnungsstatus, bei Verdacht auf virale Meningitis Serologie, BSG
Zur Technik Lumbalpunktion: Bei Hirndruck sind Gefahren und Informationswert gegeneinander abzuwiegen. Bei Säuglingen mit noch sehr nachgiebigem Schädel ist die vorgewölbte Fontanelle nur selten ein Grund gegen die L. Andererseits sind Symptome, die auf ein RF hinweisen, ein eindeutiger Grund gegen eine L.
Differentialdiagnose:
– Meningismus kann verschiedenste Ursachen haben:
Infektionen
– (z. B. zervikale Lymphadenitis, Angina tonsillaris, Retrotonsillarabszess, Oberlappenpneumonie)
Myogelosen und Skeletterkrankungen
– (z. B. rheumatoide Arthritis der HWS)
Zerebrale Blutungen
– (subdural, subarachnoidal, epidural)
Hirntumoren
– Pathologische Liquorbefunde auch möglich bei Hirntumoren, Hirnabszessen, Subarachnoidalblutungen
– Krampfanfall mit Fieber: Infektkrampf (häufigste Verwechslung!)
Antiinfektiöse Therapie:
  – Bei Verdacht auf eitrige Meningitis sofortige Krankenhauseinweisung; Therapiebeginn möglichst erst nach Lumbalpunktion (Erregernachweis), jedoch kann bei schlechtem Zustand des Patienten (vor allem Schock, Hautblutungen) ein sofortiger Behandlungsbeginn in der Praxis lebensrettend sein.
Merke: Von der frühen Diagnose und der richtigen Wahl des bzw. der Antibiotika hängt das Schicksal des Kindes entscheidend ab.

Neugeborene und Säuglinge bis 8. Lebenswoche
Ceftriaxon (evtl. am 1. Tag 2 Einzeldosen) Kurzinfusion
Ampicillin in 4 Einzeldosen, als alleinige Behandlung der eitrigen Meningitis nicht erlaubt
Tobramycin (Spiegelkontrolle)
Chloramphenicol als Reserveantibiotikum

Ab 3. Lebensmonat: Beginn mit Ceftriaxon

Fortsetzung: ergibt Kultur oder Antigen-Nachweis
– Haemophilus influenzae, Pneumokokken, Meningokokken oder E. coli: weiter mit Cefotaxim
– Streptokokken der Gruppe B: Penicillin und Tobramycin
– Andere Erreger: je nach Keimart und Antibiogramm

Therapiedauer: in der Regel 3–4 Tage über Entfieberung hinaus, vorausgesetzt, dass
• Zellen mononuklear und < 30 / mm³
• Eiweißgehalt > 50 mg%
• Blutwerte normalisiert
– Meningokokken: ca. 10 Tage
– Haemophilus influenzae: ca. 14 Tage
– Pneumokokken, Streptokokken der Gruppe B, E. coli und andere: je nach Verlauf oft 3–4 Wochen
– Behandlung über mehrere Wochen bei Meningitisrezidiv

Therapiekontrolle
– Lumbalpunktion 24 Stunden nach Therapiebeginn, Diagnostik wie oben; CRP im Serum
– Klinischer Befund: bei mangelnder Besserung Schädelsonographie, CCT, EEG (Hydrozephalus? Erguss? Abszess? Begleitenzephalitis?)

Komplikationen:
– Azidose
– Inadäquate ABH Sekretion
– Status epilepticus mit Folgeschäden
– Diffuse eitrige Enzephalitis, subdurale gefäßverschlüsse
– Sinusvenen-Thrombose
– Hirnabszess
– Subdurale Ergüsse, postmeningitischer Hydrozephalus
Links
ANTIBIOTIKA MONITOR XVIII / 6 / 2002
K. Schmitt
Landeskinderklinik, Linz
(Vorstand: Prim. Univ.-Doz. Dr. K. Schmitt)
Meningitis - ein pädiatrischer Notfall

Handelspräparate aus dem Pharmaangebot
Die Präparate-Nennungen erfolgen durch die Sponsoren unserer Webseite unabhängig vom Autor des Fachtextes. Die Reihenfolge entspricht dem ATC-Code. Der Benutzer ist angehalten, sich vor Verschreibung eines Medikaments durch sorgfältige Prüfung der jeweiligen Fachinformation bzw. Gebrauchsinformation zu vergewissern, ob die dort vorliegenden Informationen zu Indikation, Kontraindikation und Dosierung von den Angaben auf dieser Webseite evtl. abweichen (siehe auch Haftungsausschluss).
Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen für die Anwendung, Wechselwirkungen mit anderen Mitteln sowie Nebenwirkungen sind der veröffentlichten Fachinformation zu entnehmen.
J01
Antibiotika zur systemischen Anwendung
Betalactam-Antibiotika, Penicilline
J01CA

Penicilline mit erweitertem Wirkungsspektrum

Standacillin 1 g / 2 g-Trockenstechampulle mit Lösungsmittel
[Biochemie GmbH] Ampicillin trockenstechamp. 1 g / 2 g; Dos.: s. Fachinformation

J01CR

Kombinationen von Penicillinen, inkl. Beta-Lactamase-Inhibitoren

Clavamox intravenös 1,1 g/ 2,2 g-Trockensubstanz zur Infusionsbereitung
[
Biochemie GmbH] Amoxicillin + Clavulansäure trockensubst. z. inf. 1 g / 2 g + 0,1 g / 0,2 g; Dos.: s. Fachinformation

Unasyn 1,5 g / 3 g-Trockenstechampullen / 3 g Trockensubstanz zur Infusionsbereitung
[
Pfizer Corporation Austria GmbH] Ampicillin + Sulbactam trockenstechamp.: 1 g / 2 g Ampicillin + 0,5 g / 1 g Sulbactam; Dos.: s. Fachinformation

J01CE

Beta-Lactamase-sensitive Penicilline

Penicillin G-Natrium "Biochemie" 10 Mega I.E.-Trockensubstanz zur Infusionsbereitung
[Biochemie GmbH] Benzylpenicillin-Natrium trockensubst. z. inf. 10,000.000 I.E.(entspricht ca. 6 g); Dos.: s. Fachinformation

Andere Betalactam-Antibiotika
J01DA

Cephalosporine und verwandte Substanzen

Claforan 0,5 g/ 1,0 g/ 2,0 g-Trockenstechampullen
[Biochemie GmbH] Cefotaxim trockenstechamp. 0,5 g; 1 g; 2 g; Dos.: s. Fachinformation

Aminoglykosid-Antibiotika
J01GB Gentamicin "Biochemie" 40 mg/ 80 mg/ 160 mg-Ampullen
[Biochemie GmbH] Gentamicinsulfat amp. 40 mg; 80 mg; 160 mg; Dos.: s. Fachinformation
  Chinolone
  J01MA Agyr 250 mg/ 500 mg Filmtabletten
[Biochemie GmbH] Ciprofloxacin filmtabl. 250 mg; 500 mg; Dos.: s. Fachinformation

© AHC (Austrian Health Communication);
Webmaster: ImageConsult EDV-BeratungsGmbH