Influenza (Virusgrippe)

Diagnose

Therapie

Handelspräparate

Literaturauswahl

Influenza (Virusgrippe)

Gewöhnliche Form Antibiotika
Indikationen zur Grippeimpfung Bronchopneumonie Antipyretika
Grippaler Infekt Schwere Formen Antitussiva
Erreger respiratorischer Virusinfektionen Prophylaxe Herz-, Kreislaufmittel
Impfstoffe
Neuraminidase-Hemmer

Diagnose
Die Angaben zu den einzelnen Indikationen und deren Diagnose stellen nur kurze Hinweise dar. Sie können und sollen keinesfalls das Studium der einschlägigen Lehrbücher bzw. Fachliteratur ersetzen.

Influenza (Virusgrippe)

Erreger
Das Influenza-Virus gehört zur Familie der Orthomyxoviridae, seine genetische Information liegt als in acht Abschnitte ("Gene") segmentierte RNA vor. Diese wird von einer Hülle umgeben, in die die beiden wichtigen Oberflächenproteine, Hämagglutinin und Neuraminidase, speichenartig eingelagert sind. Um geschützt zu sein, muss man Antikörper gegen diese Oberflächenantigene (und nicht unbedingt gegen die anderen Virusantigene) haben.

Nach den inneren Antigenen (Ribonukleoprotein) unterscheidet man die drei Virustypen Influenza A, B und C. A-Viren kommen nicht nur beim Menschen, sondern auch bei vielen Tieren vor (z.B. Wasservögel!). Das Virus ändert laufend seinen Antigenaufbau. Größere (Antigenshift) und kleinere (Antigendrift). Änderungen der Struktur der Oberflächenantigene führen zu immer wieder neuen Virus-Varianten. Durch epidemiologische Studien der WHO werden die zu erwartenden Stämme erfasst und Empfehlungen für die jährliche Impfung abgegeben. Im Gegensatz zu vielen anderen Virusinfektionen kann man an einer Influenza-Infektion mehrmals im Leben erkranken.

Inkubationszeit:
1–3 Tage

Symptome der unkomplizierten Influenza

Allgemeinsymptome:
– Fieber, Frösteln, Schüttelfrost,
– Abgeschlagenheit,
– Anorexie,
– Kopfschmerzen,
– Muskelschmerzen,
– Gelenksschmerzen
Respirationstrakt:
– Katarrh der Schleimhäute,
– Husten,
– Halsschmerzen,
– Tracheitis

Komplikationen der Influenza
pulmonale Komplikationen:

– Viruspneumonie
– bakterielle Pneumonie
zentrales Nervensystem:
– Meningitis
– Enzephalitis
– Guillain-Barré-Syndrom
– Reye-Syndrom
weitere Komplikationen:
– Myokarditis
– Perikarditis
– Rhabdomyolyse

Exzessmortalität

In Jahren der Grippe-Epidemien ist die Sterblichkeit in der Bevölkerung höher als in vergleichbaren Jahren ohne Epidemie, wobei 95% dieser Todesfälle in der Altersgruppe über 65 Jahren auftreten. Diese Übersterblichkeit während Grippe-Epidemien ist nicht von einer kompensatorischen Abnahme der Sterblichkeit nach Abklingen der Epidemie gefolgt.

Grippe-Impfung

Aktive Immunisierung muss jährlich wiederholt werden (am besten im Herbst, vor Beginn des Saisongipfels). Sie gibt keinen kompletten Schutz gegen die einfache Influenza. In Retrospektive und prospektiven Untersuchungen wurde aber bewiesen, dass die Pneumonierate und die Sterblichkeit bei Geimpften um das drei- bis sechsfache niedriger liegt. Der Trend geht daher zur generellen Durchimpfung. Auf jeden Fall sollten sich aber die Risikogruppen (s. Tab.) schützen.

Indikationen zur Grippe-Impfung (Risikogruppen)
Personen mit Herz- / Kreislauferkrankungen (auch Hypertonie)
Personen mit chronischen Lungenkrankheiten (Asthma, COPD, Emphysem)
Personen mit Stoffwechselerkrankungen (z.B. Diabetes, Nierenkrankheiten)
Personen über 60 Jahre (vor allem in Alters- und Plegeheimen)
Immunsupprimierte Personen (angeboren und erworben)
Klinikpersonal und Personen, die berufsbedingt einem erhöhten Infektionsrisiko ausgestzt sind (z.B. Lehrer)

Differentialdiagnose

"Grippaler" Infekt

Virusinfektionen des Respirationstraktes, "Grippale" Infekte ("common cold") können durch zahlreiche Viren hervorgerufen werden (s. Tab); auch Bakterien kommen in Frage (Streptokokken). Die Diagnose "Grippe" oder "Influenza" sollte nur dann gestellt werden, wenn entweder virologisch serologische Untersuchungen die Diagnose bestätigen, oder aber zumindest durch die Influenza-Überwachungssysteme festgestellt wurde, dass gerade eine Influenzawelle aufgetreten ist.

Symptome

Sie verlaufen oft ohne hohes Fieber. Adenoviren verursachen Tracheobronchitis, Streptokokken Tonsillitis mit Lymphknotenschwellung

Diagnostik

Bei sporadischen Influenzaerkrankungen wird die Diagnose serologisch gesichert (Hämagglutinationshemmtest, Neutralisation, KBR).
Labor
– Feststellung von Epedemien. Für epidemiologische Fragestellungen (Typisierung) kann das Virus aus der Rachen- oder Nasenspülflüssigkeit isoliert werden, ansonsten Virusisolierung aus den Sekreten des Respirationstraktes (Abstriche, Sputum, Bronchiallavage).
– Abklärung schwerer Erkrankungen und Komplikationen (z.B. Encephalitis)
– Virusisolierung meist nur während der ersten vier Erkrankungstage erfolgversprechend

Erreger respiratorischer Virusinfektionen
Influenza A Weltweite Epidemien
Influenza B Seltener als Influenza A, meist Jugendliche
Influenza C Eher sporadische Fälle
Rhinoviren Klassischer Schnupfenerreger, ca. 100 Serotypen, eventuell auch Pneumonien
Adeno-Viren 42 Serotypen, einige verursachen auch Gastroenteritis, bzw. Keratoconjunktivitis
RS-Virus Wichtigster Pneumonieerreger bei Säuglingen und Kleinkindern
Parainfluenza 1-4 Pneumonie bei Säuglingen, Pseudokrupp, grippaler Infekt bei Erwachsenen
Enteroviren (Coxsackie, ECHO) "Sommergrippe", aber auch seröse Meningitis
Coronaviren Grippale Infekte, Virusdiagnostik noch mangelhaft
Herpesviren (HSV, CMV, EBV) Erstinfektion (bei Kindern) gelegentlich als grippaler Infekt
Exanthemviren (Masern, Parvo, Röteln, Varizellen) Abortive Formen verlaufen oft nur als grippaler Infekt

HOFFMANN, H. Ärztezeitung 19/Okt.1999)

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Therapie
Die Therapieempfehlungen entsprechen dem aktuellen Stand der Medizin und werden bei Bedarf, mindestens jedoch ein Mal pro Jahr überarbeitet bzw. aktualisiert.
Für die medikamentöse Therapie werden vom Autor in der Regel nur die Substanzgruppen bzw. Substanzen angegeben. Im Falle einer Präparate-Nennung von Seiten der Pharma-Industrie, wird die Substanzgruppe oder Substanz mit dem Präparat im Teil Handelspräparate aus dem Pharmaangebot verlinkt.

Gewöhnliche Form
– Bettruhe (nicht zu lange bei alten Menschen), leichte flüssige Kost
– Symptomatische medikamentöse Behandlung
– Kausale medikamentöse Behandlung mit dem Neuraminidase-Hemmer Zanamivir als Aerosol, Oseltamivir oral
Antipyretika

Bronchopneumonie (s. a. Pneumonie)
Antitussiva
Herz-Kreislaufunterstützung
Antibiotika
Antipyretika bei Hyperpyrexie
Expektorantien

Schwere Formen mit Sekundärinfektionen oder bei Erkrankung geschwächter, alter oder vorgeschädigter Personen
Antibiotika
Herz-Kreislaufunterstützung
– Sauerstoffzufuhr

Prophylaxe
– Impfung mit inaktivierten Influenza-Vakzinen, in Sonderfällen achtwöchentliche Injektion von menschlichen Gammaglobulinen
Polyvalenter bakterieller Vakzinespray in Kombination mit Grippeschutzimpfung
– Antivirale Chemoprophylaxe mit Amantadin 10-14 Tage, wenn Schutzimpfung nach Auftreten der Epidemie erfolgt ist.

 

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Handelspräparate aus dem Pharmaangebot
Die Präparate-Nennungen erfolgen durch die Sponsoren unserer Webseite. Der Benutzer ist angehalten, sich vor Verschreibung eines Medikaments durch sorgfältige Prüfung der jeweiligen Fachinformation zu vergewissern, ob die dort vorliegenden Informationen zu Indikation, Kontraindikation und Dosierung von den Angaben auf dieser Webseite evtl. abweichen (siehe auch Haftungsausschluss).
Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen für die Anwendung, Wechselwirkungen mit anderen Mitteln sowie Nebenwirkungen sind der veröffentlichten Fachinformation zu entnehmen.

Antibiotika

Biocef 200 mg-Filmtabletten / Biocef 50 mg - / 100 mg/5 ml-Granulat für orale Suspension
[Biochemie GmbH] Cefpodoxim filmtabl.: 200 mg; susp.: 50 mg/ 100 mg/5 ml; Dos.: s. Fachinformation

Josalid 250 mg- / 500 mg- / 750 mg - Filmtabletten / Josalid 250 mg/ 375 mg/5 ml-Saft für Kinder
[Biochemie GmbH] Josamycin filmtabl. :250/ 500/ 750 mg; saft: 250/ 375 mg/5 ml; Dos.: s. Fachinformation

Clavamox 1 g-Filmtabletten / Clavamox Duo-Trockensaft
[Tyrol Pharma GmbH] Amoxicillin plus Clavulansäure filmtabl.: 875 mg Amoxicillin + 125 mg Clavulansäure; duo-trockensaft: 80 mg Amoxicillin + 11,4 mg Clavulansäure/ 1 ml Dos.: s. Fachinformation

Vibramycin 100 mg-Kapseln
[
Pfizer Corporation Austria GmbH] Doxycyclin caps. 100 mg; Dos.: s. Fachinformation

Vibramycin 50 mg-/ 100 mg-/ 200 mg-lösbare Tabletten
[
Pfizer Corporation Austria GmbH] Doxycyclin lösb. tabl. 50 mg; 100 mg; 200 mg; Dos.: s. Fachinformation


Antipyretika

Keine aktuellen Präparate-Nennungen


Antitussiva

Keine aktuellen Präparate-Nennungen


Herz-, Kreislaufmittel

Keine aktuellen Präparate-Nennungen


Impfstoffe

Begrivac-Fertigspritze ( Influenza-Spaltimpfstoff, inaktiviert)
[Chiron Behring GmbH] Die Vakzine entspricht den WHO-Empfehlungen (nördl. Hemisphäre) und der EU-Entscheidung für die laufende Saison. susp. z. injektion. in Fertigspritzen zu 0,5 ml; Dos.: s. Fachinformation


Neuraminidase-Hemmer

Relenza Rotadisks - Pulver zur Inhalation
[Glaxo Wellcome, Wien] Zanamivir; Diskhaler: 5 mg pro Einzeldosis (Inhalt eines Blisters); Indik.: Kausale Behandlung der Influenza A und B; Dos.: s. Fachinformation


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Literaturauswahl
Die ausgewählte Literatur bezieht sich auf die in diesem Kapitel erwähnten Indikationen und deren Therapie. Sie wird vom Autor des Kapitels bzw. von den Herstellern der hier erwähnten Arzneimittel zur Verfügung gestellt.

 


 

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