Meningitis (Erwachsene)

Diagnose

Therapie

Handelspräparate

Literaturauswahl

Eitrige Meningitis

Eitrige Meningitis Analgetika
Seröse Meningitis Lymphozytäre Meningitis Antibiotika
FSME Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) Antipyretika
Tuberkulöse Meningitis Meningopolyneuritis FSME-Impfstoff
Tuberkulöse Meningitis Heparine
Immunglobuline
Kortikosteroide
Meningokokken-Impfstoffe
Tuberkulostatika
Virustatika

Diagnose
Die Angaben zu den einzelnen Indikationen und deren Diagnose stellen nur kurze Hinweise dar. Sie können und sollen keinesfalls das Studium der einschlägigen Lehrbücher bzw. Fachliteratur ersetzen.

Eitrige Meningitis

Überwiegend Virusinfektionen:
– Zeckenenzephalitis (Flaviviren),
– Herpes-Viren (schwerer Verlauf mit Hirndruckerscheinungen),
– Entero-Viren,
– Myxo-Viren (vor allem Masern, Mumps),
– Grippe oder Röteln (selten)

Differenzierung einer Meningitis oder Enzephalitis bei folgender Symptomentrias: Fieber, Kopfschmerz, Nackensteife, evtl. psychische Anomalien
I.
Klinische Abklärung evtl. zerebraler Grundleiden
II.
Liquoruntersuchungen (Versuch des Erregernachweises in Liquor, Blut, Stuhl, Harn und Spülflüssigkeit): Druck, Farbe, Zellzahl und Arten der Zellen, einfache und quantitative Eiweißbestimmung, Liquorzucker und Liquor-Laktat zur Unterscheidung zwischen eitriger und seröser Meningitis; Enzephalitis zeigt im Liquor ähnliche Befunde wie seröse M.
III.
Antikörpernachweis in Blut, Liquor und Kutis (Agglutinations-, Komplementbindungs-, Neutralisations-, Intrakutan-Tests)

Erreger
Meningokokken, Pneumokokken, Haemophilus influenzae, Listerien, Staphylokokken, Streptokokken, E. coli, Pseudomonas aeruginosa, Klebsiellen. (Neisseriae meningitidis sind sehr empfindlich, verdächtiges Material deshalb sofort auf Blutagar oder Traubenzucker- Aszites-Bouillon verimpfen!) Cryptococcus neoformans u. Candida albicans bei großflächigen Verbrennungen, bei zytostatischer Chemotherapie und HIV-Infektion

Pathogenese
Ca. 4% der Bevölkerung sind temporäre Meningokokkenkeimträger; bei entsprechender Disposition (Überanstrengung, Kopftrauma, Begleitinfekt) Meningokokkenpharyngitis mit transitorischer Bakteriämie, in ungünstigen Fällen Organlokalisation des Erregers an den Meningen, an Endokard und Gelenken oder Meningokokkensepsis (Waterhouse-Friedrichsen-Syndrom)

Inkubationszeit: 1–5 Tage

Symptome
– Prodromi: Frösteln, Abgeschlagenheit, Glieder-, Leibschmerzen, Schluckbeschwerden; nach Stunden rascher Temperaturanstieg,schweres Krankheitsgefühl
– Hohes Fieber, bei Meningokokken-M. in 50% Exanthem v.a. am Rumpf
– Meningeale Zeichen: Opisthotonus, Kernigsches oder Brudzinskisches Zeichen positiv, "Jagdhundstellung" mit Rückenlordose und angezogenen Extremitäten, starker Kopfschmerz, Photophobie, Hyperästhesie
– Eventuell psychotische oder delirante Zustände
– Mitunter Hirnnervensymptome: Pupillenstarre, Abduzens- und Fazialisparese, Stauungspapille; Mono-, Hemi-, Tetraparesen und Pyramidenzeichen; häufig: doppelseitige Labyrinthitis

Diagnostik
BKS stark erhöht; Leukozytose mit Linksverschiebung;
Liquor: eitrig-flockiges Aussehen, Druck, Menge, Eiweißgehalt, Zellzahl stark erhöht, Zucker erniedrigt , Liquor-Laktat erhöht

Seröse Meningitis

Ätiologie
Durch serologische Untersuchung, Erregerisolierung; in 40% Mumps!

Arten
– Leptospirosenmeningitis: zweigipfliger Status febrilis, starker Stirnkopfschmerz in der zweiten Woche mit nochmaligem Fieberanstieg, Zellvermehrung im Liquor und Antikörper im Serum nachweisbar

– Viruserkrankungen: Mumps, lymphozytäre Choriomeningitis durch Echo-Viren, Coxsackie-Viren; Poliomyelitis, hauteruptive Erkrankungen (Zoster, Herpes simplex). Die Herpes-simplex-Meningoenzephalitis führt zu Hirndruckerscheinungen und Herdsymptomatik: "Pseudotumor cerebri". Die Zoster- und Varizellen-Meningoenzephalitis ist oft durch Blutdrucksteigerungen gekennzeichnet.
Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME)
wird durch Zeckenstich (Ixodes ricinus, Holzbock) übertragen. Vorkommen nur in begrenzten Endemiegebieten besonders in Österreich, aber auch in anderen Ländern Europas (Ungarn, Jugoslawien, der Tschechoslowakei, Polens, im östlichen Teil Deutschlands und Südosten Schwedens; in Süddeutschland vorwiegend in der unteren Donauregion, im westlichen Bodenseegebiet und Schwarzwald).
Klinischer Verlauf oft schwer und langwierig, neben meningitischen Zeichen nicht selten Lähmungen. Diagnosestellung durch Antikörpernachweis im Blut. Nach Krankheitsausbruch keine spezifische Therapie möglich.
Aktive und passive Immunisierung

Sehr selten: Rickettsieninfekt, Typhus, Maltafieber, Listeriose, Leptospirose, Mykoplasma-pneumoniae-Infektion, Kryptokokkose, Syphilis

Diagnostik
Diagnose durch Lumbalpunktion
Liquor: Zell-Eiweissdissoziation; klares Aussehen; lymphozytäre Zellvermehrung (300–1000/3 Zellen); leichte Eiweissvermehrung (über 45 mg%, Pandy negativ–positiv); Zucker und Laktat normal

Differentialdiagnose
Tuberkulöse Meningitis, Enzephalitis

Tuberkulöse Meningitis

Symptome
Schleichender Beginn, oft Chorioidea-Tuberkel am Fundus oculi, Beteiligung anderer Organe (Thoraxaufnahme, subfebrile Temperatur; Leberblindpunktion: miliare Aussaat)

Diagnostik
Liquor: Zellen, Eiweiß und Laktat, Zucker- und Chloridwerte, Überwiegen der Lymphozyten, im stehengelassenen Liquor oft Spinngewebsgerinnsel

Enzephalitis

Symptome
Nicht spezifische wie starke Kopfschmerzen, Lähmungen, u.a. der Hirnnerven, tonisch-klonische Krämpfe, Ataxie, evtl. erhöhte Temperatur, schließlich Somnolenz und Bewusstlosigkeit; leichtere Enzephalitiserkrankungen u.a. nach banalem Infekt, oft nur durch psychische Anomalien erkennbar

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Therapie
Die Therapieempfehlungen entsprechen dem aktuellen Stand der Medizin und werden bei Bedarf, mindestens jedoch ein Mal pro Jahr überarbeitet bzw. aktualisiert.
Für die medikamentöse Therapie werden vom Autor in der Regel nur die Substanzgruppen bzw. Substanzen angegeben. Im Falle einer Präparate-Nennung von Seiten der Pharma-Industrie, wird die Substanzgruppe oder Substanz mit dem Präparat im Teil Handelspräparate aus dem Pharmaangebot verlinkt.

Eitrige Meningitis

Sofort nach Diagnosestellung Einleitung einer antibiotischen Therapie

Unbekannter Erreger
Ceftriaxon 1 - 2x 2 g/die, Cefotaxim 2 - 3x 2 g/die

Meningo-, Pneumo- und Streptokokkenmeningitis
(Sofortdiagnose evtl. nach klinischem Bild und durch gefärbtes Liquor-Ausstrichpräparat bakterioskopisch möglich)
Mittel der Wahl ist Penicillin G 20–30 Mio I.E./die in 3 oder 4 Kurzinfusionen

Menigitisprophylaxe durch aktive Immunisierung von Erwachsenen und Kindern über 2 Jahre für geographische Gebiete, wo Meningokokkenmeningitis epidemisch oder endemisch auftritt (Länder im "Meningitisgürtel" Afrikas sowie die angrenzenden Länder - siehe Impf- und Prophylaxeempfehlungen für Fernreisende)

Staphylokokkenmeningitis
Flucloxacillin 4x 2 g/die

Beachte
Jede eitrige Meningitis erfordert den sofortigen röntgenologisch-otologischen Ausschluss einer lokalen Fortleitung aus dem Nasennebenhöhlenbereich (eitriger NNH- oder Mittelohrprozess, frisches oder älteres Schädeltrauma mit Duraverletzung); ggf. ist raschest mögliche operative Revision erforderlich.

Fortgeleitete Meningitiden
mit alten purulenten Prozessen z.B. im Ohrbereich
Eventuell breitere antibiotische Therapie. Cephalosporine der 3. Generation, z.B. Cefotaxim 3x 2 bis 3x 4 g/die oder Ceftriaxon 1x 4 bis maximal 2x 6 g/die jeweils in der Kurzinfusion.

Septisch-toxischer Krankheitsverlauf
Eventuell Glukokortikoide (200 mg Prednisolon/die bis zu 1 g/die), Heparin 3x 5.000 I.E.; ausreichende Flüssigkeitszufuhr; Versuch mit i. v. verträglichem Immunglobulin
In Fällen intrakranieller Drucksteigerung (unerträgliche Kopfschmerzen, zunehmende Benommenheit, Sehstörungen, Stauungspapille, Druckpuls) hirndrucksenkende Maßnahmen
– Sofortige Kopfhochlagerung
Dexamethason initial 24–40 mg, anschließend 6stündlich 4–16 mg langsam i.v. mit rascher Dosisreduktion in den folgenden Tagen
Mannit 0,5 g–1,5 g/kg als Bolus (?)

Beachte
Alle medikamentösen Maßnahmen zur Hirndrucksenkung sind in ihrer Wirksamkeit bei entzündlichen Erkrankungen des ZNS umstritten!

Lymphozytäre Meningitis

– Ausreichende Flüssigkeitszufuhr (Fieber, Vomitus!)
– Medikamentöse Therapie: Analgetika und Antipyretika
– Eventuell Herz- und Kreislaufunterstützung

Meningitis und Enzephalitis durch Herpes-simplex-Virus sowie durch Varicella-Zoster-Virus

Heute spezifische virustatische Therapie möglich mit Aciclovir in einer Tagesdosis von 3x 10–15 mg/kg KG, jeweils in einer 1stündigen Infusion. Nur bei frühzeitigem Einsatz wirksam, Therapie sollte daher schon bei geringstem klinischen Verdacht (Herdsymptome, schwerer Verlauf bei viraler Meningoenzephalitis) begonnen werden, da sonst irreversible Schäden drohen.
Bei eingeschränkter Nierenfunktion ist Dosisreduzierung erforderlich.
Für Kinder zwischen 3 Monaten und 12 Jahren wird empfohlen, Aciclovir entsprechend ihrer Körperoberfläche zu verabreichen (tgl. 3x 500 mg/m²)

Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME)

(Verbreitungsgebiete in Europa und in Österreich)
Die Zecken-übertragene Erkrankung lässt sich verhindern durch i.m. Immunglobulin-Gabe (FSME-Immunglobulin) innerhalb von 4 Tagen nach dem Zeckenstich: einmalige Dosis von 0,1 ml/kg KG am 1. oder 2. Tag und von 0,2 ml/kg KG am 3. oder 4. Tag (umstritten!).
Besser ist aktive Immunisierung mit FSME-Impfstoff vor Zecken-Exposition: 2 Injektionen mit je 0,5 ml i.m. im Abstand von 1–3 Monaten, 3. Injektion 9–12 Monate nach 2. Teilimpfung.
Ab 4. LJ. gut verträglich: selten Hautrötung an der Einstichstelle; bisher ein einziger Fall einer durch die Impfung ausgelösten Schwerpunktneuritis bekannt geworden; bei Kindern unter 3–4 Jahren manchmal Lymphknotenschwellungen und erhöhte Temperatur. Da ein ausreichender Antikörperschutz erst ca. 10 Tage nach der 2. Injektion zu erwarten ist, sollte die Impfserie zweckmäßigerweise in der kalten Jahreszeit (Januar–März) begonnen werden

Zeckenentfernung s. Lyme-Borreliose

Meningopolyneuritis

Von Zecken-übertragene Infektionskrankheit (Lyme-Borreliose, s. a. dort): Behandlung mit hohen Dosen (Benzyl-)Penicillin i.v. Man gibt 4x 5 Mio. I.E. täglich in der Kurzinfusion bei Erwachsenen bzw. 4x 2,5 Mio. I.E. täglich bei Kindern über die Dauer von 10–14 Tagen. Erneute Behandlung ist durchzuführen, falls ein (begleitendes) Erythema migrans persistiert oder rezidiviert. Es gibt Hinweise, daß eine Therapie mit modernen Cephalosporinen effektiver ist und Rezidive sicherer verhindert. Empfohlen werden Cefotaxim , 3x 2 g/die oder Ceftriaxon in einer Tagesdosis von 1x 4 g

Tuberkulöse Meningitis

Tuberkulostatika in Kombination mit Kortikosteroiden

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Handelspräparate aus dem Pharmaangebot
Die Präparate-Nennungen erfolgen durch die Sponsoren unserer Webseite. Der Benutzer ist angehalten, sich vor Verschreibung eines Medikaments durch sorgfältige Prüfung der jeweiligen Fachinformation zu vergewissern, ob die dort vorliegenden Informationen zu Indikation, Kontraindikation und Dosierung von den Angaben auf dieser Webseite evtl. abweichen (siehe auch Haftungsausschluss).
Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen für die Anwendung, Wechselwirkungen mit anderen Mitteln sowie Nebenwirkungen sind der veröffentlichten Fachinformation zu entnehmen.

Analgetika

Keine aktuellen Präparate-Nennungen


Antibiotika

Ampicillin

Standacillin 1 g-/ 2 g-Trockenstechampulle mit Lösungsmittel
[Biochemie GmbH] Ampicillin-Natrium stechamp. 1 g/ 2 g; Dos.: s. Fachinformation

Penicillin G

Penicillin G-Natrium "Biochemie" 1 Mega I.E.- / 5 Mega I.E.- / 10 Mega I.E.-Trockenstechampulle
[Biochemie GmbH] Benzylpenicillin-Natrium trockenstechamp. 1,000.000 I.E. (entspricht ca. 0,6 g), 5,000.000 I.E., 10,000.000 I.E.; Dos.: s. Fachinformation

Cefotaxim

Claforan 0,5 g/ 1,0 g/ 2,0 g-Trockenstechampullen
[Biochemie GmbH] Cefotaxim trockenstechamp. 0,5 g; 1 g; 2 g; Dos.: s. Fachinformation

Ceftriaxon

Keine aktuellen Präparate-Nennungen


Antipyretika

Keine aktuellen Präparate-Nennungen


FSME-Impfstoff

Keine aktuellen Präparate-Nennungen


Heparine

Keine aktuellen Präparate-Nennungen


Immunglobuline

Keine aktuellen Präparate-Nennungen


Kortikosteroide

Keine aktuellen Präparate-Nennungen


Meningokokken-Impfstoffe

Mencevax ACWY-Trockenstechampulle mit Lösungsmittel
[GlaxoSmithKline Pharma GmbH] trockenstechamp. (=1 Dosis zu 0,5 ml nach Resuspension) enthält Meningokokken-Polysaccharide der Gruppen ACW135 und Y zu je 50 mcg sowie einen Stabilisator + Stechampulle mit 0,5 ml physiologische Kochsalzlsg. als Lsg.-Mittel; Dos.: s. Fachinformation


Tuberkulostatika

Keine aktuellen Präparate-Nennungen


Virustatika

Aciclotyrol 200 mg-/ 400 mg-/ 800 mg-Tabletten
[Biochemie GmbH] Aciclovir tabl. 200, 400, 800 mg, Dos.: s. Fachinformation


 

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Literaturauswahl
Die ausgewählte Literatur bezieht sich auf die in diesem Kapitel erwähnten Indikationen und deren Therapie. Sie wird vom Autor des Kapitels bzw. von den Herstellern der hier erwähnten Arzneimittel zur Verfügung gestellt.
 

 


 

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