Orchitis – Epididymitis Hodentorsion

Diagnose

Therapie

Handelspräparate

Literaturauswahl

Orchitis

Symptomatische Therapie

Analgetika

Epididymitis

Spezielle Therapie

Antiphlogistika

Differentialdiagnose

Chirurgische Therapie

Antibiotika

Hodentorsion


Diagnose
Die Angaben zu den einzelnen Indikationen und deren Diagnose stellen nur kurze Hinweise dar. Sie können und sollen keinesfalls das Studium der einschlägigen Lehrbücher bzw. Fachliteratur ersetzen.

Orchitis
Synonym: Didymitis

Definition
Entzündung eines oder beider Hoden.

Ätiologie
– Entzündung vorwiegend interstitiell, verursacht durch Bakterien oder Viren, ein- oder beidseitig

Ursachen

– Seltene Komplikation im Rahmen von diversen Infektionskrankheiten. Alter: selten vor der Pubertät. Meist Virusinfektionen der Ohrspeicheldrüse (Mumps), Gonorrhoe, Urogenitaltuberkulose.
– Lokal bedingt durch Übergreifen einer Epididymitis oder nach Trauma.

Symptome
von Epididymitis schwer abgrenzbar (siehe Tab.)
– Plötzlich einsetzende Schmerzen mit Ausstrahlung in Leistenregion und Rücken,
– Schwellung,
– Fieber,
– Rötung der Skrotalhaut

Differentialdiagnose

– Hodentorsion, im Säuglingsalter häufigste Fehldiagnose
– Hodentumor
Grundregel bei "akutem Skrotum" akuter starker Hodenschmerz und "Hodenschwellung"
– Orchitis, Epididymitis und Hodentorsion sind mit klinischer Untersuchung allein nicht hunderprozentig zu differenzieren
– Häufigste Ursache des akuten Skrotums beim Kind und Jugendlichen ist die Torsion!
– Eine unbehandelte Torsion führt in wenigen Stunden zur Hodennekrose!
– Falls eine Torsion nicht sofort operiert werden kann, wird (nach Prämedikation eines starken Analgetikums) manuell detorquiert, und zwar immer zum gleichseitigen Oberschenkel!


Merke
Jedes "akute Skrotum" im Säuglingsalter bedarf der chirurgischen Freilegung.

Epididymitis

Definition
Entzündliche Schwellung des Nebenhodens, selten im Kindesalter, meist nach der Pubertät. Kann auf den Hoden übergreifen (Epidymoorchitis).


Ätiologie

– Unspezifisch – fortgeleitet: Bei Harnwegsinfekt, Prostatitis, Komplikation bei diversen Erkrankungen der unteren Harnwege (Prostataadenom), Komplikation bei Dauerkatheterismus
– Unspezifisch – hämatogen: Bei jüngeren Patienten mit intaktem Harntrakt. Hier ist der Erregernachweis oft frustran, oft Chlamydieninfekt!
– Spezifische (tuberkulöse Epididymitis) Im Rahmen einer Urogenitaltuberkulose

Symptome
– Ein oder beidseitig schmerzhafte Schwellung, evtl. Fieber
– Schweregefühl des Hodens, Rötung des Skrotums, evtl. Hydrozele
Symptome der tuberkulösen Epididymitis
– Typisch: nicht oder wenig schmerzhaft, keine akuten Entzündungszeichen, sondern nur "harter" Nebenhoden, chronischer Verlauf, kein akutes Skrotum, in fortgeschrittenem Stadium mit purulent sezernierenden Hautfisteln

Diagnostik
– Im Anfangsstadium Nebenhoden vom Hoden palpatorisch abgrenzbar und druckdolent
– Prehnsches Zeichen: positiv; beim Hochheben des Hodens lässt der Schmerz etwas nach
– Prostata: druckschmerzhaft
– Urin: Leukozyturie und Erregernachweis
– Prostata Exprimat und Ejakulat: Leukozytose und Erregernachweis
– Sonographie des Genitale mit Doppler

Differentialdiagnose
– Orchitis, Hodentorsion; Unterscheidung von Epididymitis meist nur im Frühstadium möglich, solange Nebenhoden vom Hoden abgrenzbar
– Hodentumor

Diagnostische Unterscheidungs-Hilfen zur Differentialdiagnose beim Hodenschmerz

  Epididymitis Hodentorsion
Altersdisposition selten vor dem 16. Lebensjahr Erkrankung des Neugeborenen
Prädilektionsgipfel zw. 10. und 20. Lebensjahr
Beginn subakuter Beginn akuter Beginn
Ätiologie Symptome eines Harnwegsinfekts Nach Trauma, Radfahren, Geschlechtsverkehr
Miktion Miktion gestört Miktion ungestört
Fieber häufig selten
Blutbild meist Leukozytose selten Leukozytose
Urinbefund Infektzeichen im Urin Urin unauffällig
Skrotalhaut gerötet und ödematös primär normal
Hodenlage (Brunnelsches Zeichen) Hoden orthotop Hoden meist hochgezogen
Prehnsches Zeichen (Anheben des Hodens) führt zur Schmerzlinderung führt nicht zur Schmerzlinderung
Nebenhoden dolent, vergrößert, induriert (ventral statt dorsal) an atypischer Lage
Prostata evtl. dolent (häufig gleichzeitig Prostatitis) rektal indolent

Merke: Falls Hodentorsion nicht sicher ausgeschlossen werden kann: operative Exploration.

Hodentorsion

Ätiologie
– Komplette oder inkomplette Drehung des Hodens mit dem Samenstrang führt zur Ischämie und venösen Stauung, später zur Nekrose
– Erkrankung des Neugeborenen und des Jugendlichen; bei Kindern und Jugendlichen bei Sport (Radfahren, Ballspielen), aber auch in Ruhe oder im Schlaf, bei Erwachsenen (z.B. bei sexueller Betätigung) plötzliches Auftreten
– Besondere Bedeutung:
1. eine der häufigsten Fehldiagnosen in der Urologie
2. wenn Diagnose vom Erstuntersucher nicht rechtzeitig gestellt wird (binnen 6 Stunden), ist Organverlust meist unvermeidlich.

Symptome

– Heftige Schmerzen im Unterbauch, in der Leistengegend und Hodengegend
– Übelkeit, Erbrechen
– "akutes Abdomen" , schockähnlicher Zustand (Vorsicht bei Säuglingen und Kleinkindern – Appendektomie bei Hodentorsion!)

Differentialdiagnose

– Epididymitis: Anamnese (Urethritis? Sonstige Erkrankung des unteren Harntraktes?): anfangs Nebenhoden als schmerzhafte "Walze" tastbar, häufig akut einsetzendes hohes Fieber, lamgsames Einsetzen der Schmerzen
– Orchitis: Anamnese! (Auslösende Infektionskrankheit): großer, schmerzhafter Hoden, Nebenhoden nicht sicher tastbar
– Hydrozele testis et funiculi spermatici (s. a. Genitalanomalien und -erkrankungen [Knaben]), nicht druckempfindlich, prallelastische Verdickung, Sonographie

Seitenanfang

Therapie
Die Therapieempfehlungen entsprechen dem aktuellen Stand der Medizin und werden bei Bedarf, mindestens jedoch ein Mal pro Jahr überarbeitet bzw. aktualisiert.
Für die medikamentöse Therapie werden vom Autor in der Regel nur die Substanzgruppen bzw. Substanzen angegeben. Im Falle einer Präparate-Nennung von Seiten der Pharma-Industrie, wird die Substanzgruppe oder Substanz mit dem Präparat im Teil Handelspräparate aus dem Pharmaangebot verlinkt.

Symptomatische Therapie
Orchitis und Epididymitis
– Bettruhe
– Hodenhochlagerung
Analgetika
Antiphlogistika lokal / oral / parenteral
– evtl. Samenstranginfiltration mit Lokalanästhetikum (1%ige Novocain-Lsg. 15-20 ccm) v.a. vor Untersuchung (bei Schmerzfreiheit Untersuchung besser möglich)

Spezielle Therapie

Epididymitis

– Bei Chlamydieninfekt Therapie der Wahl: Gyrasehemmer (Chlamydien-wirksam)
– Kalkulierte Antibiotika -Therapie (ohne Antibiogramm) mit Ampicillin und Aminoglykosid oder Gyrasehemmer
– Sonst symptomatisch wie Orchitis (aber kein Interferon!)
– Bei Abszedierung rechtzeitige Operation (Epididymektomie) vor Einbruch in den Hoden oder septischer Thrombophlebitis im Samenstrang
Merke: Konsequente Behandlung, da in ca. 30 % Sterilität!

Chirurgische Therapie

Orchitis

Semikastration bei Abszedierung

Hodentorsion

Sofortige Operation (Deterguierung u. Orchidopexie) und prophylaktische Operation der Gegenseite.
Merke: Zur DD stets sonographische Untersuchung des Skrotums. Falls Zweifel an der Diagnose stets operative Freilegung! Nach 6 Stunden ist der Hoden irreversibel geschädigt.

 


Handelspräparate aus dem Pharmaangebot
Die Präparate-Nennungen erfolgen durch die Sponsoren unserer Webseite. Der Benutzer ist angehalten, sich vor Verschreibung eines Medikaments durch sorgfältige Prüfung der jeweiligen Fachinformation zu vergewissern, ob die dort vorliegenden Informationen zu Indikation, Kontraindikation und Dosierung von den Angaben auf dieser Webseite evtl. abweichen (siehe auch Haftungsausschluss).
Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen für die Anwendung, Wechselwirkungen mit anderen Mitteln sowie Nebenwirkungen sind der veröffentlichten Fachinformation zu entnehmen.

Analgetika

Keine aktuellen Präparate-Nennungenn

Antiphlogistika

Magluphen 50 mg-Filmtabletten / Magluphen retard 100 mg-Filmtabletten / Magluphen 100 mg-Suppositorien für Erwachsene
[Tyrol Pharma GmbH] Diclofenac filmtabl. 50 mg; 100 mg; supp. 100 mg; Dos.: s. fachinformation


Antibiotika

Ampicillin

Standacillin 1 g/ 2 g-Trockenstechampulle mit Lösungsmittel
[Biochemie GmbH] Ampicillin trockenstechamp. 1 g; 2 g; Dos.: s. Fachinformation

Gentamycin

Gentamicin "Biochemie" 40 mg/ 80 mg/ 160 mg-Ampullen
[Biochemie GmbH] Gentamicinsulfat amp. 40 mg; 80 mg; 160 mg; Dos.: s. Fachinformation

Gyrasehemmer

Agyr 250 mg/ 500 mg Filmtabletten
[Tyrol Pharma GmbH] Ciprofloxacin filmtabl. 250 mg; 500 mg; Dos.: s. Fachinformation

Urobacid 400 mg-Filmtabletten
[Tyrol Pharma GmbH] Norfloxacin filmtabl. 400 mg; Dos.: s. Fachinformation

Seitenanfang

Literaturauswahl
Die ausgewählte Literatur bezieht sich auf die in diesem Kapitel erwähnten Indikationen und deren Therapie. Sie wird vom Autor des Kapitels bzw. von den Herstellern der hier erwähnten Arzneimittel zur Verfügung gestellt.
 

 


 

Seitenanfang

© AHC (Austrian Health Communication);
Webmaster: ImageConsult EDV-BeratungsGmbH