Pilzinfektionen (Mykosen)

Diagnose
Therapie
Handelspräparate
Literaturauswahl
Mykosen Hefemykosen Antimykotika zur dermatologischen Anwendung  

Hefemykosen

Candida-Mykosen der Haut Antimykotika zur systemischen Anwendung
Candida-Mykosen der Haut Chronische Paronychie Stomatologika
Candida-Mykosen des Verdauungstraktes Folliculitis barbae candidomycetica  
Candida-Mykosen des Genitaltraktes Candida-Mykosen des Genitaltrakts
Candida-Mykosen der Atemwege Dermatophyten-Mykosen
Allergische Krankheitserscheinungen durch Candida albicans  
Pityriasis versicolor
Dermatophyten-Mykosen
Epidermophytie
Trichophytie
Mikrosporie
Favus
Onychomykose

Diagnose
Die Angaben zu den einzelnen Indikationen und deren Diagnose stellen nur kurze Hinweise dar. Sie können und sollen keinesfalls das Studium der einschlägigen Lehrbücher bzw. Fachliteratur ersetzen.

Mykosen

Da Mykosen keine meldepflichtigen Krankheiten sind, ist ihre Inzidenz nicht genau bekannt. Es kann aber als sicher angenommen werden, dass Hautmykosen weltweit zu den häufigsten Infektionen zählen. Primäre und opportunistische Mykosen sind dagegen relativ selten. Opportunistische Mykosen haben in den letzten Jahren und Jahrzehnten zugenommen. Die zunehmende Zahl von Patienten mit Immundefekten sowie der häufige Einsatz invasiver Eingriffe und die damit zusammenhängende intensive Antibiotikatherapie in der Medizin erklären die wachsende Bedeutung der Mykosen

Hefemykosen

Etwa ein Dutzend Arten der Gattung Candida besitzen fakultativ Humanpathogenität. Hauptvertreter ist Candida albicans, eine Hefe, die häufig (ca. 50 %) als Saprophyt der gesunden Mundhöhle, selten auf der gesunden Haut vorkommt (4 %)
Häufig banale, mehr kosmetisch störende Erscheinungen durch Malassezia furfur (s. u. Pityriasis versicolor)

Begünstigende Faktoren
– Massive Infektion bei Kontaktperson (Säuglingssoor durch Candida-Besiedlung der mütterlichen Vagina, Soorprophylaxe! Partnerinfektion bei genitaler Candidose)
– Milieufaktoren: Wärme und Feuchtigkeit, Luftabschluss (intertriginöse Hautpartien, Verbände, Windeln)
– Herabgesetzte Infektabwehr und andere systemische Faktoren: Diabetes, Tumorerkrankungen (besonders Leukosen), andere schwere Erkrankungen, Steroid-Therapie, zytostatische bzw. immunsuppressive Therapie, Behandlung mit antibakteriell wirksamen Antibiotika, Immundefekte

Diagnostik
Erregernachweis bei Dermatomykosen
Vorher Reinigung der Areale mit 70%igem Alkohol
– Nativpräparat: Schuppen vom Rand der Herde, abgebrochene Haare, krümelige Nagelstubstanz in 15%iger KOH ca. 1 Stunde auf dem Objektträger in Petrischale abgedeckt aufhellen. Unterscheidung, ob Pilze vorliegen oder nicht. Artdiagnose nur bei Malassezia furfur möglich
– Kultur (bei Pityriasis versicolor schwierig, für Diagnose nicht erforderlich)
– Grün-blaue Fluoreszenz im Wood-Licht: Mikrosporie

Candida-Mykosen der Haut

Mund-Soor
Hauptsächlich beim Säugling, bei konsumierenden Vorkrankheiten und Menschen mit gestörter Immunabwehr (besonders T-Lymphozyten-Störung)
– Weiße Beläge, schwer abwischbar, auf Wangenschleimhaut, Zunge, seltener Gingiva und Gaumen.
– Unterschiedlich starke entzündliche Erscheinungen (Rötung, Erosionen unter dem Belag)

Perlèche
Angulus infectiosus – Mundwinkelrhagaden = Faulecken: besonders bei Faltenbildung im Mundwinkel

Candida-Intertrigo
Perianal, perigenital (bei Säuglingen Differentialdiagnose Windeldermatitis), inguinal, submammär
– Erosion mit polyzyklischer Konfiguration,
– schlaffe Pusteln,
– einzelstehende Pusteln mit gerötetem Hof in der Umgebung,
– Schuppen-Krausen (ähnliche Bilder unter Steroid-Okklusivverbänden)

Erosio interdigitalis candidomycetica
Hausfrauenkrankheit: weiße Mazeration meist zwischen 3. und 4. Finger

Chronische Paronychien
Hausfrauenkrankheit. Düsterrote druckschmerzhafte Schwellung

Candida-Granulom (selten)

Candida-Mykosen des Verdauungstraktes

Candida-Ösophagitis
– Schluckbeschwerden,
– Sodbrennen,
– charakteristisches Röntgenbild,
– Ösophagoskopie (zugrundeliegende Immunschwäche)

Candida-Mykosen des Genitaltraktes

Vulvovaginitis candidomycetica
– Leichtere Formen mit Fluor, Pruritus, geringem Erythem,
– schwerere Formen mit Soorbelägen und Erosionen der Vagina, pustulösen oder ekzemartigen Veränderungen der Vulva und der angrenzenden Oberschenkelpartien. – Begünstigt durch Ovulationshemmer

Candida-Balanitis
– Disseminierte Pusteln mit gerötetem Hof,
– Pruritus.
– Partnerinfektion

Subakute Urethritis
– Partnerinfektion

Candida-Mykosen der Atemwege (seltener)

Candida-Laryngitis
– Soorbeläge,
– evtl. Granulome des Kehlkopfes (Laryngoskopie )

Candida-Tracheitis, Candida-Bronchitis
– Soorbeläge (Bronchoskopie)

Candida-Pneumonie
– Erregernachweis durch Blutkultur und nicht durch Bronchialsekretabsaugung.
– Sekundärinfektion bei Tuberkulose, Bronchialkarzinom, Immundefektsyndrom
Sehr selten:
– Candida-Sepsis,
– Candida-Endokarditis,
– Candida-Enteritis,
– Candida-Meningitis
Eintrittspforte z.B. Dauerinfusion, Operationen

Allergische Krankheitserscheinungen durch Candida albicans

– Urtikaria, Rhinitis, Sinusitis, Kolitis.
– Ätiologische Klärung schwierig.
– Intrakutantest mit Candida-albicans-Extrakt kann Hinweise geben, ist nicht beweisend.
– Rückbildung nach Abheilung einer Candida-Infektion

Pityriasis versicolor
(Syn.: Kleienpilzflechte)

Erreger
Malassezia furfur (gehört nicht zu den Hefemykosen!). Vorzugsweise bei Erwachsenen
Lokalisation

Brust, Hals, Rücken, Oberarme, seltener andere Hautpartien
Symptome

– Bräunliche, diskrete Flecken, unregelmäßig geformt, disseminiert.
– Mehlstaubartige Schuppung, verstärkt durch Darüberstreichen ("Hobelspan-Phänomen").
– Nach Sonnenbräunung erscheinen Herde heller als umgebende Haut: Pityriasis versicolor alba.
– Subjektive Beschwerden gering, gelegentlich stärkerer Juckreiz

Dermatophyten-Mykosen
Dermatophytosen

Erreger
Keratinophile Dermatophyten der Gattungen
– Trichophyton,
– Epidermophyton,
– Mikrosporum
parasitieren in keratinisierten Strukturen: Stratum corneum, Haar, Nagel

Epidermophytie

Epidermophytia (Tinea) pedum (interdigitalis)
Erreger

Trichphyton rubrum
Lokalisation
interdigital und/oder plantar
– interdigital: mazerativ, erythematosquamös;
– plantar: erythematosquamös mit kleinen Pusteln, seltener hyperkeratotisch-rhagadiform

Epidermophytia (Tinea) manuum
Lokalisation

palmar mit Übergang auf Finger und Handrücken
– Erythematosquamös, vesikulös, häufig hyperkeratotisch.
– Proximal scharf begrenzt, randbetont

Epidermophytia (Tinea) inguinalis = Eczema marginatum Hebrae
Lokalisation

Urogenitalregion
– Scharf begrenzt, erythematöser Randsaum mit kleinen Pusteln, Schuppung.
– Übergang auf Gesäß, dort mehr follikuläre Herde

Trichophytie

Trichophytia superficialis (Tinea corporis)
Lokalisation

meist unbedeckte Hautpartien, seltener Rumpf
– Runde, scharf begrenzte, randbetonte Herde.
– Rand erythematosquamös mit kleinen Pusteln.
– Gelegentlich Irisform (konzentrische Ringe)

Trichophytia (Tinea) capitis superficialis (selten)
Lokalisation
behaarter Kopf, meist bei Kindern
– Scharf begrenzte, rundliche Herde.
– Entzündung meist gering, weißgraue Schuppung, Haare abgebrochen

Trichophytia (Tinea) capitis profunda = Kerion Celsi
Lokalisation

behaarter Kopf, Nacken, meist bei Kindern, Landbevölkerung
– Tumorförmig erhabene, umschriebene Herde;
– bei Druck Entleerung von Eiter aus den Follikeln, Haar leicht zu epilieren
– Häufig durch erkrankte Tiere (Rinder) übertragen

Trichophytia barbae (s. Trichophytia capitis)

Follikuläre Trichophytie, chronische
– Lividrote follikuläre Papeln, meist zerkratzt, am Rande pigmentierter Areale

Mikrosporie (selten)

Vor allem bei Kindern bis zur Pubertät (mit Selbstheilungstendenz in der Folge)
Erreger
Microsporum audouini

Lokalisation

behaarter Kopf
– Rundherde mit abgebrochenen Haaren,
– wenig Entzündung: grauweiße feine Schuppung (zur Zeit selten)

Erreger
Microsporum canis

Lokalisation

besonders im Gesicht, an Extremitäten und Rumpfpartien
Kranzförmige, randbetonte, hellrote schuppende Läsionen
Epidemien kleineren Ausmaßes, zunehmend

Vektor

Hund, Katze, Pferd

Favus (selten)

Erreger
Trichophyton schönleini
Familiäre Ausbreitung

Lokalisation

vorwiegend behaarter Kopf, seltener andere Hautpartien und Nägel
– Mit Scutula ("Schildchen" aus Schuppen-Myzel) bedeckte oder erythematosquamöse Herde,
– Übergang in narbige Alopezie.
– Alte Herde: Etat pseudopeladique, am Rande oft noch geringe Zeichen von Aktivität

Onychomykose
(Tinea unguium)

Lokalisation
häufig Fußnägel, seltener Fingernägel
– Oft in Verbindung mit Epidermophytia pedum
– Nägel gelblich verfärbt, verdickt, bröckelig, seltener weißlich und oberflächlich zersplittert
Beachte
Gelegentlich Onychomykose der Zehennägel durch den Schimmelpilz Scopulariopsis brevicaulis. Pilzkultur!

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Therapie
Die Therapieempfehlungen entsprechen dem aktuellen Stand der Medizin und werden bei Bedarf, mindestens jedoch ein Mal pro Jahr überarbeitet bzw. aktualisiert.
Für die medikamentöse Therapie werden vom Autor in der Regel nur die Substanzgruppen bzw. Substanzen angegeben. Im Falle einer Präparate-Nennung von Seiten der Pharma-Industrie, wird die Substanzgruppe oder Substanz mit dem Präparat im Teil Handelspräparate aus dem Pharmaangebot verlinkt.

Hefemykosen

Allgemein
Infektionsquelle behandeln, Grundkrankheit sowie andere begünstigende Faktoren (lokal, allgemein) ausschalten

Lokalbehandlung
Antimykotika: Nystatin, Clotrimazol, Miconazol, Econazol, Ciclopiroxolamin, Naftifin

Innere Behandlung
Antimykotika
– Nystatin oral nur zur Darmbehandlung (keine Wirkstoffresorption)
– Darmsanierung: Nystatin 4x 1 Mio. E/die für 8–10 Tage gefolgt von 4x 500.000 E für 8–10 Tage (Effekt fraglich)

Candida-Mykosen der Haut

Mund-Soor
Lokalbehandlung
Nystatin-Suspension, Amphotericin-Lutschtabletten

Chronische Paronychie

Lokalbehandlung
Antimykotische Externa
Innere Behandlung
Bei entzündlicher Schwellung des Nagelwalles Antibiotikum und Antimykotikum; Schutz des Nagels

Folliculitis barbae candidomycetica

Lokalbehandlung
Antimykotika in Form von Lösungen, Tinkturen und Cremes

Candida-Mykosen des Genitaltrakts

Vulvovaginitis

Balanitis

Lokalbehandlung
Antimykotika als Creme

Merke
Bei Vulvovaginitis und Balanitis Partnerbehandlung!

Pityriasis versicolor

Innere Behandlung
Antimykotikum Itraconazol effektiv in der Therapie und hinsichtlich der Reduktion der Rezidivrate.
– Akuttherapie: Itraconazol 200 mg/ 1x pro die über 7 Tage,
– Prophylaxe: Itraconazol 1x pro Monat 200 mg
über 6 Monate

Dermatophyten-Mykosen

Lokalbehandlung
Antimykotika
– Behandlung mit antimykotischer Minuten-Creme: behaarte Kopfhaut und Körper anfeuchten, antimykotische Minuten-Creme auftragen, nach 5–10 Minuten abspülen (Cave: dauerbelassen, da Hautreizungen möglich!)
– Im akuten Stadium bei gleichzeitiger Ekzematisation, starkem Juckreiz Antimykotika mit Glukokortikoidzusatz (nicht länger als 1 Woche, danach ohne Kortikoidzusatz)
– Desinfektion von Schuhen, Strümpfen etc.
(Nicht wirksam: Polyenantibiotika wie Nystatin)
Bei Verschlechterung nach Anwendung von Lokalantimykotika: mögliche Kontaktallergie!

Operative Entfernung (in Ausnahmefällen)
Schonendes keratolytisches Abtragen der Nägel bei Onychomykose (kombiniert mit lokaler und interner Behandlung)

Innere Behandlung
Auf genügend lange Therapiedauer achten: Bei Onychomykose Antimykotika systemisch unter Umständen 6–8 Monate! Itraconazol, Ketoconazol (jeweils auf Unverträglichkeiten achten!)
Besonders indiziert bei ausgedehnten bzw. therapieresistenten Dermatophytosen wie Trichophytia barbae, Trichophytia capitis, follikulärer Trichophytie, Mikrosporie, Favus, Onychomykose, chronischer palmarer bzw. plantarer Epidermophytie

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Handelspräparate aus dem Pharmaangebot
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Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen für die Anwendung, Wechselwirkungen mit anderen Mitteln sowie Nebenwirkungen sind der veröffentlichten Fachinformation zu entnehmen.
A01
Stomatologika
Antiinfektiva und Antiseptika zur oralen Lokalbehandlung
A01AB Keine aktuellen Präparate-Nennungen
A07 Antidiarrhoika und intestinale Antiphlogistika / Antiinfektiva
A07AA Keine aktuellen Präparate-Nennungen
D01
Antimykotika zur dermatologischen Anwendung
D01A Antimykotika zur topischen Anwendung
  D01AA

Antibiotika

Keine aktuellen Präparate-Nennungen

D01AC

Imidazol - und Triazol-Derivate

Keine aktuellen Präparate-Nennungen

D01AE

Andere Antimykotika zur topischen Anwendung

Keine aktuellen Präparate-Nennungen

D01B Antimykotika zur systemischen Anwendung
  D01BA Keine aktuellen Präparate-Nennungen
J
Antiinfektiva zur systemischen Anwendung
J02 Antimykotika zur systemischen Anwendung
  J02AA

Antibiotika

Keine aktuellen Präparate-Nennungen

J02AC

Triazol-Derivate

Keine aktuellen Präparate-Nennungen

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Literaturauswahl
Die ausgewählte Literatur bezieht sich auf die in diesem Kapitel erwähnten Indikationen und deren Therapie. Sie wird vom Autor des Kapitels bzw. von den Herstellern der hier erwähnten Arzneimittel zur Verfügung gestellt.
 

 


 

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