Sepsis

Diagnose

Therapie

Handelspräparate

Literaturauswahl

Definition Antimikrobielle Therapie Antibiotika Sepsis – Neue Erkenntnisse zur Pathogenese, Therapie und Prävention
Zusatztherapie Heparine
Operative Therapie Humanalbumin

Diagnose
Die Angaben zu den einzelnen Indikationen und deren Diagnose stellen nur kurze Hinweise dar. Sie können und sollen keinesfalls das Studium der einschlägigen Lehrbücher bzw. Fachliteratur ersetzen.

Sepsis

Definition
Durch Bakteriämie bedingte Erkrankung als systemische Antwort des Organismus auf schädigende Einflüsse einer Infektion, ausgehend von einem primären Infektionsherd, mit Tendenz zur Keimbesiedlung anderer Organe. Infektion, Krankheitsbeginn, Lokalisation und klinische Symptome von der Art des Erregers abhängig
.

Symptome
– Fieber (verschiedene Verlaufstypen)
– Schlechter Allgemeinzustand, evtl.Bewusstseinsstörung
– Splenomegalie
– Erythem, Purpura etc.
– "Warmer" Schock, Mikrozirkulationsstörung (periphere Zyanose) vor allem bei gramnegativen Infektionen mit Funktionsstörung von Niere (Schockniere), Lunge (Schocklunge), Leber und Herz

Diagnostik
Labor
• Anämie, Leukozytose (anfänglich oft normale Leukozytenzahl oder Leukopenie)
• Senkungsbeschleunigung
• Oft Azotämie (bei ausgeprägter Azotämie nur geringe Temperaturerhöhung). Cave: akutes Nierenversagen
• Zunahme der Alpha-2- und Gammaglobuline
• Verbrauchskoagulopathie (Thrombopenie, Prothrombin- und Fibrinogenverminderung, Fibrinspaltprodukte, Mangel an Protein C, Godal-Test positiv)
• EKG-Veränderungen
Erregernachweis im Blut (septischer Schock)
• Blutkultur unter aseptischen Kautelen abgenommen und mehrfach wiederholt zu verschiedenen Tageszeiten und Fieberphasen (besonders beim Fieberanstieg mit Schüttelfrost)
• Aerobe und anaerobe Züchtung sowie Antibiogramm
• Beim "warmen" Schock ist die metabolische Azidose trotz Hyperventilation und leichter Hypoxie oft ein wichtiger Hinweis. Die Akren sind warm und rosa bis zyanotisch gefärbt
• Beim "klassischen" Schock ist blasse, feucht-kalte Haut, RR-Abfall, Tachykardie, Oligurie und Bewusstseinstrübung typisch (meist erst im Terminalstadium)

Eintrittspforte für die Erreger
– Haut- bzw. Operationswunden und Verbrennungen: Staphylokokken, Streptokokken und gramnegative Erreger (Pseudomonas)
– Hals-Nasen-Ohrenbereich: Streptokokken, Pneumo- und Meningokokken, Bacillus fundiliformis
– Darmtrakt: Salmonellen, E. coli, Enterokokken
– Gynäkologischer Bereich (Sepsis post partum bzw. abortum): Streptokokken, Clostridium perfringens
– Urogenitaltrakt: E. coli, Enterokokken, Klebsiellen, Proteus und Pseudomonas
– Respirationstrakt: Pneumokokken, Haemophilus influenzae
– Gallenwege (Cholangitis): E. coli, Enterobakterien, Anaerobier

Absiedlungsorte
– Lunge (Abszess, Pleuritis)
– ZNS (Meningitis, Hirnabszess)
– Herz (Endokarditis, Perikarditis)
– Venen (Thrombophlebitis)
– Gelenke und Knochen (Osteomyelitis)
– Nieren (Abszesse, paranephritischer Abszess)

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Therapie
Die Therapieempfehlungen entsprechen dem aktuellen Stand der Medizin und werden bei Bedarf, mindestens jedoch ein Mal pro Jahr überarbeitet bzw. aktualisiert.
Für die medikamentöse Therapie werden vom Autor in der Regel nur die Substanzgruppen bzw. Substanzen angegeben. Im Falle einer Präparate-Nennung von Seiten der Pharma-Industrie, wird die Substanzgruppe oder Substanz mit dem Präparat im Teil Handelspräparate aus dem Pharmaangebot verlinkt.

Antimikrobielle Therapie
Antimikrobielle Therapie vor dem Eintreffen des Antibiogramms siehe Tabelle.
– Zur gezielten Therapie einzelner Erreger sind entsprechende Tabellen und Fachinformationen heranzuziehen.

Antibiotische Therapie vor dem Eintreffen des Antibiogramms (Initialtherapie bei unbekanntem Erreger)
Sepsis
Erreger
1. Wahl
Alternative
bei Neutropenie
Staphylokokken, Enterobakterien,
Pseudomonas aeruginosa
Ceftazidim + Staphylokokken AB
Meropenem +/- Aminoglycosid
Chinolon + Vancomycin
Puerperalsepsis
Aerob-Anaerobe Mischinfektion Amoxicillin/Clavulansre,
Cefoxitin
Ceph. 2 + Metronidazol
Meropenem
Chinolon + Metronidazol
Pulmonale Sepsis
Pneumokokken, S. aureus, Klebsiellen Ceph. 2
Amoxicillin/Clav
ulansre.
+/- Aminoglycosid
Abdominelle Sepsis
Aerob-Anaerobe Mischinfektion Amoxicillin/Clavulansre.
Cefoxitin
Meropenem
Chinolon + Metronidazol
Ursprung unbekannt
S. aureus, Enterobakterien Ceph. 2
Amoxicillin/Clav
ulansre.
+/- Aminoglycosid
Neugeborene
B-Streptokokken, E. coli, Listerien Ampicillin + Ceph. 3 Ampicillin + Aminoglycosid
Venen-Kathetersepsis
S. aureus, S. epidermidis Ceph. 1, Staphylokokken-Penicillin
+/- Fosfomycin
Vancomycin + Rifampicin + Gentamicin
Parenterale Ernährung
Candida Fluconazol, Amphotericin B
Urosepsis / ambulant
Enterobakterien Ceph. 2/3 Chinolone
Urosepsis / im Spital
Enterobakterien, P. aeruginosa Chinolon, Ceph. 3 +/- Aminoglycoside
bei Knocheninfektionen
S. aureus Amoxicillin/Clavulansre.
Clindamycin
Fosfomycin + Meropenem
bei Hautinfektionen
S. aureus, A-Streptokokken,
Clostridien (Gasbrand)
Penicillin G + Sulbactam
Amoxicillin/Clavulansre.
+/- Fosfomycin
Meropenem, Clindamycin
bei Verbrennungen P. aeruginosa, S. aureus Meropenem, Ceftazidim + Amikacin Vancomycin + Fosfomycin

Bei noch unbekanntem Erreger richtet sich die Therapie nach der klinischen Konstellation und dem typischen Erregerspektrum. Der frühzeitige Behandlungsbeginn ist entscheidend wichtig, da es dabei sehr häufig um Stunden geht. Die Interventionstherapie muss ggf. modifiziert werden, wenn positive Kulturergebnisse eintreffen.

Zusatztherapie
– Volumensubstitution nach ZVD bzw. Pulmonalarteriendruck (Albuminlösungen, Plasma, Plasmaexpander) Eventuell Dopamin, Dobutamin, Noradrenalin nach Hämodynamik
– Korrektur von Störungen des Wasser- und Elektrolythaushaltes
– Frühzeitige Indikationsstellung zur maschinellen Beatmung
Heparin zur Prophylaxe und Therapie der Verbrauchskoagulopathie
– Bluttransfusionen bei Hb-Abfall < 13 g%
– Substitution von Protein C

Operative Therapie
Beseitigung lokalisierbarer Infektionsherde (Katheter, Abszess)

 

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Handelspräparate aus dem Pharmaangebot
Die Präparate-Nennungen erfolgen durch die Sponsoren unserer Webseite. Der Benutzer ist angehalten, sich vor Verschreibung eines Medikaments durch sorgfältige Prüfung der jeweiligen Fachinformation zu vergewissern, ob die dort vorliegenden Informationen zu Indikation, Kontraindikation und Dosierung von den Angaben auf dieser Webseite evtl. abweichen (siehe auch Haftungsausschluss).
Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen für die Anwendung, Wechselwirkungen mit anderen Mitteln sowie Nebenwirkungen sind der veröffentlichten Fachinformation zu entnehmen.

Antibiotika

Cephalosporine

Cefazolin "Biochemie" 1 g/ 2 g-Trockenstechampulle
[Biochemie GmbH] Cefazolin trockenstechamp. 1 g; 2 g; Dos.: s. Fachinformation

Cefrom 1,0 g/ 2,0 g-Trockenstechampullen / 1,0 g/ 2,0 g Trockensubstanz zur Infusionsbereitung
[Biochemie GmbH] Cefpirom trockenstechamp. 1,0 g; 2,0 g; trockensubst. z. inf. 1,0 g; 2,0 g; Dos.: s. Fachinformation

Claforan 0,5 g/ 1,0 g/ 2,0 g-Trockenstechampullen
[Biochemie GmbH] Cefotaxim trockenstechamp. 0,5 g; 1 g; 2 g; Dos.: s. Fachinformation

Fosfomycin

Fosfomycin "Biochemie" 4 g/ 8 g i.v.-Trockensubstanz zur Infusionsbereitung
[Biochemie GmbH] Fosfomycin trockensubst. z. inf. 4 g; 8 g; Dos.: s. Fachinformation

Penicilline

Penicillin G-Natrium "Biochemie" 10 Mega I.E.-Trockensubstanz zur Infusionsbereitung
[Biochemie GmbH] Benzylpenicillin-Natrium trockensubst. z. inf. 10,000.000 I.E.(entspricht ca. 6 g); Dos.: s. Fachinformation

Clavamox intravenös 1,1 g/ 2,2 g-Trockensubstanz zur Infusionsbereitung
[Tyrol Pharma GmbH] Amoxicillin + Clavulansäure trockensubst. z. inf. 1 g / 2 g + 0,1 g / 0,2 g Dos.: s. Fachinformation



Heparine

Keine aktuellen Präparate-Nennungen


Humanalbumin

Keine aktuellen Präparate-Nennungen


 

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Literaturauswahl
Die ausgewählte Literatur bezieht sich auf die in diesem Kapitel erwähnten Indikationen und deren Therapie. Sie wird vom Autor des Kapitels bzw. von den Herstellern der hier erwähnten Arzneimittel zur Verfügung gestellt.

ANTIBIOTIKA MONITOR XVII / 4 / 2001
U. Kastner, S. Glasl, S. Lugauer, J.P. Guggenbichler
Sepsis – Neue Erkenntnisse zur Pathogenese, Therapie und Prävention


 


 

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