Sinusitis

Diagnose

Therapie

Handelspräparate

Literaturauswahl

Akute Sinusitis

Akute Sinusitis Abwehrstimulation
Chronische Sinusitis Dentogene Sinusitis maxillaris Analgetisch wirksame Antiphlogistika
Allergische Sinusitis Antibiotika, orale
Eitrige Sinusitis Lokalantibiotika
Chronische Sinusitis Antihistaminika
Physikalische Therapie Glukokortikoide

Diagnose
Die Angaben zu den einzelnen Indikationen und deren Diagnose stellen nur kurze Hinweise dar. Sie können und sollen keinesfalls das Studium der einschlägigen Lehrbücher bzw. Fachliteratur ersetzen.

Akute Sinusitis

Definition
Entzündung der pneumatischen Räume des Gesichtsschädels und der Schädelbasis, oft verbunden mit mehr oder weniger starken Kopfschmerzen. Diese Hohlräume sind im allgemeinen schlecht drainiert und stehen mit den Nasenhaupthöhlen in Verbindung, d.h. sie sind bakteriellen Infektionen leicht zugänglich.

Ätiologie
Infektion der Nasennebenhöhlen erfolgt über die Ostien von den Nasenhaupthöhlen aus. Meist Vorschädigung der Nebenhöhlenschleimhaut durch vorangegangenen Virusinfekt. Durch Anschwellen der Schleimhaut Verengung bis Obstruktion der Ostien mit Beeinträchtigung des Schleimtransportes. Durch Schneuzen oder durch Unterdruck gelangen Bakterien in die Nasennebenhöhlen.

Erreger
– Streptokokkus pneumoniae (Pneumokokken) und Haemophilus influenzae (machen zusammen ca 75 % aus)
– Moraxella catharralis
– Streptokokkus pyogenes
Staphylokokkus aureus
– Pseudomonas aeruginosa (v.a. bei Kindern mit Mukoviszidose)
– selten Anaerobier (bei dentogener Sinusitis)
– selten Pilze

Unterscheide:

Sinusitis maxillaris
Symptome
Schmerz im Bereich der Wange lokalisiert,
darüberliegende Haut mitunter berührungsempfindlich
– 2. Trigeminusast der betroffenen Seite mitunter druckempfindlich

Sinusitis ethmoidalis
Symptome
Schmerzen im Bereich des medialen Augenwinkels oderder Nasenwurzel

Sinusitis frontalis
Symptome
starke Stirnkopfschmerzen
Berührungsempfindlichkeit der Haut im betroffenen Gebiet
– meist deutliche Klopfdolenz, insbesondere im Bereich des 1. Trigeminusastes

Sinusitis sphenoidalis
Symptome
uncharakterisisches Druckgefühle und Schmerzen in der Mitte des Schädels mit Ausstrahlung in den Hinterkopf oder die Schläfenregion

Akute Pansinusitis
Meist Folge einer Rhinitis; akute Sinusitis mehrerer Nasennebenhöhlen

Dentogene Sinusitis maxillaris
Spontan oder nach Zahnbehandlung bei entzündlichen periapikalen Herden

Eitrige Ethmoiditis
der Kinder mit Neigung zum Durchbruch in die Orbita (Orbitalphlegmone)

Außendruckabhängige Schmerzen
im Nasennebenhöhlenbereich (Blutungen): Luftfahrt, Tauchsport (Barotraumen)

Beachte:

Sinubronchiales Syndrom
Gleichzeitiges Auftreten von Sinusitis und Bronchitis; meist Systemerkrankung des Respirationstraktes

Symptome
– Gesichts- und Kopfschmerzen (verstärkt beim Bücken, Heben, Husten)
• Druckgefühl im Schädel und/oder stechende, bohrende, auch pulsierende Schmerzen vor allem im vorderen Schädel
• Druck- und Klopfempfindlichkeit über befallenen Nebenhöhlen
– Einseitiger Schnupfen
– Behinderung der Nasendurchgängigkeit
– Geruchsstörungen

Diagnostik
– Anamnese, subjektive Beschwerden (Testung auf antigene Noxen bei allergischen Beschwerden)
– Rhinoskopie
– Bakteriologische Untersuchung des Nasensekrets (Abstrich aus dem mittleren Nasengang der betroffenen Seite)
Beachte: Bei Komplikationen und verzögerter Heilung sollte der betroffene Sinus punktiert und das Sekret bakteriologisch untersucht werden. Bei chronischen Entzündungen sind die Keime in den Nasenhaupthöhlen und in der Nasennebenhöhle häufig nicht identisch!
– Zytologische Untersuchung des Nasensekrets (Eosinophile bei allergischer Rhinopathie)
– Röntgenaufnahmen in verschiedenen Ebenen
– Zahnuntersuchung
– Probespülung der Kieferhöhlen
– Internistische Untersuchung der Bronchien und der Lunge
Bei Verdacht auf Komplikationen CT

Chronische Sinusitis

Hyperplastisch-polypöse Sinusitis
– Nasenschleimhautallergie (oft gleichzeitig Asthma)
– Verschluss der Nasennebenhöhlen durch Polypen
– Bakterielle Superinfektion häufig (Infektallergie)

Dentogene Sinusitis
Sinusitis maxillaris, evtl. mit Beteiligung des Siebbeins. Entstehung aufgrund von Erkrankungen an den Zähnen wie Granulome und Zysten. Einseitige, fötide Eiterung aus der Nase
Als Folge einer rhinogenen bakteriellen Infektion
Sinusitis maxillaris (besonders häufig), ethmoidalis und frontalis, seltener sphenoidalis. Bei einseitiger chronischer Sinusitis beim älteren Menschen muss ein Malignom ausgeschlossen werden

Rationelle bildgebende Diagnostik

Rö.-NNH*) oder Durchleuchtung

unklare Flüssigkeitsspiegel

 

Rö.-Aufnahme in Seitenlage

 

wenn Klinik positiv
und Röntgen negativ

 

Sonographie

*) NHH = Nasennebenhöhlen

Komplikationen
Orbitale Komplikationen
– Entzündliches Ödem des Ober- und Unterlides
– Subperiostaler Abszess
– Orbitalphlegmone
Intrakranielle Komplikationen
– Hirnabszess
– Meningitis
– Epi- oder subduraler Abszess
– Sinus-cavernosus-Thrombose
Knochenkomplikationen
– Stirnbeinosteomyelitis

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Therapie
Die Therapieempfehlungen entsprechen dem aktuellen Stand der Medizin und werden bei Bedarf, mindestens jedoch ein Mal pro Jahr überarbeitet bzw. aktualisiert.
Für die medikamentöse Therapie werden vom Autor in der Regel nur die Substanzgruppen bzw. Substanzen angegeben. Im Falle einer Präparate-Nennung von Seiten der Pharma-Industrie, wird die Substanzgruppe oder Substanz mit dem Präparat im Teil Handelspräparate aus dem Pharmaangebot verlinkt.

Akute Sinusitis

Im allgemeinen nur bei akuter Sinusitis konservative Therapie von Erfolg
Nicht rauchen!
Unbedingt vasokonstriktorische Mittel zur Abschwellung der Nebenhöhlenzuführungsgänge, mit Glukokortikoid mehrmals täglich, Kopflichtbäder, Gesichtsdampfbäder, Inhalation mit Salzlösung, orale Antibiotika, Antiphlogistika oral, Antipyretika (vor allem bei starkem Kopfschmerz)
Bei Bedarf orale Rhinologika, Schwitzprozeduren, bei Bedarf Sekretolytika. Versuch mit oraler Applikation von Bakterienprodukten

Sinubronchitis

Behandlung von chronischen Nebenhöhleninfektionen (meist chirurgisch) oder Behandlung ursächlicher allergischer Erkrankungen

Spezielle Behandlung zusätzlich

Dentogene Sinusitis maxillaris

– Zahnsanierung
– Punktion und Spülung des Sinus maxillaris und anschließend Instillation von Lokalantibiotika-Kombination und/oder Fibrinolytikum
orale Antibiotika
– Meist Operation erforderlich (endoskopische Ostienerweiterung)
– Nachbehandlung bei Schwellung mit Nifluminsäure möglich

Allergische Sinusitis

– Eventuell Hyposensibilisierung
Glukokortikoide
Antihistaminika bzw. in Kombination mit Glukokortikoid oral
– Bei Polyposis operative Sanierung der Nasennebenhöhlen

Eitrige Sinusitis

orale Antibiotika
– Gegebenenfalls Sinusdrainage (vor allem bei Kindern)
– Punktion mit Spülung des Sinus maxillaris und anschließend Instillation von Lokalantibiotika-Kombination
– Bei Sinusitis frontalis Beck'sche Bohrung, täglich Spülung mit physiologischer Kochsalzlösung, anschließend Instillation von vasokonstriktorischer Lösung

Chronische Sinusitis

Behandlung richtet sich nach der Genese
– Gefäßkontrahierende und antiphlogistische Präparate
– Kamillenpräparat-Inhalation mehrmals täglich
– Wenn eine therapieresistente Infektallergie vorliegt, ist meist operative Therapie erforderlich

Chirurgische Therapie
Nach erfolgloser mehrmaliger Punktion wegen nicht sistierender Eiterung, bei Knochenkomplikationen und Polyposis endonasale endoskopische Eröffnung von Kiefer-, Siebbein- und Keilbeinhöhle: (= Infundibulotomie und Ethmoidektomie). Nur mehr in seltenen Fällen Radikaloperation nach Cadwell-Luc. Bei Vorliegen einer Polyposis, die meist allergischen Ursprungs bzw. allergisch mitbedingt ist, postoperativ Glukokortikoide systemisch für einige Tage, dann mehrere Wochen lang lokal

Physikalische Therapie

M = Masseur; MB = Med. Badeanstalt; KG = Krankengymnastik; ÄP = Ärztliche Praxis

Akute Sinusitis

Therapieziel:
Mehrdurchblutung der Schleimhaut, Einflussnahme auf die Dyskrinie des Sekrets. Nicht vor Erreichen des Suppurationsstadiums
Therapie:
Nach Schleimhautabschwellung / A1/ Wärmeanwendung, z.B. Rotlicht auf das Gesicht, Gesichtsdampfbäder
Therapieanweisung für:
ÄP/MB: 5x Kopflichtbad im Wechsel mit Gesichtsdampfbad mit Kamille, 10 Min./tägl.

Sinubronchitis

Therapieziel:
siehe oben
Therapie:
Schleimhautprotektive Wärmeanwendungen und Inhalationen
Therapieanweisung für:
ÄP: 8x Naseninhalationen mit schwacher Solelösung, täglich bis mehrmals täglich
ÄP/KG/MB/M: 5x Rotlichtbestrahlungen des Gesichts, 10–15 Min./tägl.
ÄP: 5x Kurzwellendurchflutung der oberen Thoraxregion (große Schliephake-Elektroden, 2 cm Hautabstand, sagittal), kräftige Wärme, 8–10 Min./tägl.

Chronische Sinusitis

Therapieziel:
Siehe akute Sinusitis
Therapieanweisung für:
ÄP: 10 x Naseninhalation schwacher Solelösung, täglich bis mehrmals täglich
ÄP/KG/MB/M: 10 x Rotlichtbestrahlung des Gesichts, 10–15 Min./tägl.
ÄP: 10 x lokale Kurzwellen- oder Mikrowellenbestrahlung der Nasennebenhöhlen, mittlere Wärme, von 5–15 Min. gesteigert/tägl.
CAVE: bei Mikrowellen: Schutzbrille!

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Handelspräparate aus dem Pharmaangebot
Die Präparate-Nennungen erfolgen durch die Sponsoren unserer Webseite. Der Benutzer ist angehalten, sich vor Verschreibung eines Medikaments durch sorgfältige Prüfung der jeweiligen Fachinformation zu vergewissern, ob die dort vorliegenden Informationen zu Indikation, Kontraindikation und Dosierung von den Angaben auf dieser Webseite evtl. abweichen (siehe auch Haftungsausschluss).
Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen für die Anwendung, Wechselwirkungen mit anderen Mitteln sowie Nebenwirkungen sind der veröffentlichten Fachinformation zu entnehmen.

Abwehrstimulation

Keine aktuellen Präparate-Nennungen


Analgetisch wirksame Antiphlogistika

Keine aktuellen Präparate-Nennungen


Antibiotika, orale

Aminopenicilline ± Betalaktamaseinhibitor

Clavamox 1 g-Filmtabletten / Clavamox Duo-Trockensaft
[Tyrol Pharma GmbH] Amoxicillin + Clavulansäure filmtabl.: 875 mg Amoxicillin + 125 mg Clavulansäure; duo-trockensaft: 80 mg Amoxicillin + 11,4 mg Clavulansäure/ 1 ml; Dos.: s. Fachinformation

Ospamox 750 mg / 1000 mg-Filmtabletten / Ospamox 250 mg/ 375 mg / 5 ml-Granulat für orale Suspension
[Tyrol Pharma GmbH] Amoxicillin filmtabl. 750 / 1000 mg; gran. 250 / 375 mg; Dos.: s. Fachinformation

Cephalosporine

Biocef 200 mg-Filmtabletten / Biocef 50 mg/ 100 mg/5 ml-Granulat für orale Suspension
[Biochemie GmbH] Cefpodoxim filmtabl.: 200 mg; susp.: 50 mg/ 100 mg/5 ml; Dos.: s. Fachinformation

Makrolide

Josalid 500 mg/ 750 mg-Filmtabletten / Josalid 250 mg/ 375 mg/ 5ml-Saft für Kinder
[Biochemie GmbH] Josamycin filmtabl. 500/ 750 mg; saft 250/ 375 mg/ 5ml; Dos.: s. Fachinformation


Lokalantibiotika

Baneocin pro instillatione
[Biochemie GmbH] Bacitracin, Neomycinsulfat trockensub.: 250 E. + 5 mg Base/ ml; Dos.: s. Fachinformation


Antihistaminika

Keine aktuellen Präparate-Nennungen


Glukokortikoide

Keine aktuellen Präparate-Nennungen


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Literaturauswahl
Die ausgewählte Literatur bezieht sich auf die in diesem Kapitel erwähnten Indikationen und deren Therapie. Sie wird vom Autor des Kapitels bzw. von den Herstellern der hier erwähnten Arzneimittel zur Verfügung gestellt.
 

 


 

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