Schon im Verlauf der letzten Wochen wurde ein Ansteigen von echter Grippe und grippalen Infekten registriert. Nach den Weihnachtsfeiertagen beobachteten die Experten vom Influenza Netzwerk Österreich eine rasante Zunahme an Erkrankungen. Und jetzt ist es „amtlich“: Die Influenza 2008 ist da, das Institut für Virologie der Universität Wien hat den Ausbruch der diesjährigen Grippewelle bestätigt. Es handelt sich heuer um das Influenza-Virus A H1N1.
Grippewelle hat nun auch Österreich erreicht
Univ.-Prof. Dr. Franz X. Heinz, Leiter des Virologischen Instituts der Medizinischen Universität Wien: „Das Influenza-Virus wurde bereits in acht Bundesländern nachgewiesen. Wien, die Steiermark und auch Niederösterreich sind besonders stark betroffen. Zudem sind in Wien die Krankenstandszahlen in der letzten Woche signifikant angestiegen.“ Wie das europäische Influenza Netzwerk EISS (European Influenza Surveillance Scheme, www.eiss.org) bestätigt, sind zahlreiche europäische Länder, vor allem Spanien, Italien, die Schweiz und Irland, bereits von der saisonalen Grippewelle heimgesucht.
Virologe Heinz: „Das Influenza-Virus, das für die heurige Grippewelle verantwortlich ist, ist eindeutig als Influenza A H1N1 identifiziert worden. Die weitere Entwicklung und Ausbreitung der diesjährigen Grippe werden wir im Rahmen des Influenza Netzwerks weiterhin genauestens beobachten.“ Seitens des Gesundheitsministeriums erläutert der Generaldirektor für öffentliche Gesundheit, Sektionschef Prof. MedR. Dr. Hubert Hrabcik: „Es handelt sich um ein aggressives Virus, das oft ernstzunehmende Komplikationen, vor allem schwere Lungenentzündungen, verursacht. Auf Grund dieser Tatsache ist nicht auszuschließen, dass wir heuer mit mehr als den rund 3.000 Todesfällen, die wir sonst im Zuge einer Grippewelle zu beklagen haben, rechnen müssen.“
Die Experten befürchten in den nächsten Wochen einen weiteren starken Anstieg der Krankheitsfälle. Univ.-Prof. Dr. Michael Kunze, Vorstand des Instituts für Sozialmedizin der Universität Wien, erwartet dann österreichweit hunderttausende Krankenstände und warnt: „Keine andere Infektionskrankheit betrifft so viele Menschen in so kurzer Zeit. Und leider kann eine Influenza auch tödlich verlaufen. Bei ersten Grippesymptomen ist daher sofort der Arzt zu kontaktieren und nach bestätigter Influenza-Diagnose eine entsprechende Therapie mit antiviralen Medikamenten, so genannten Neuraminidasehemmern, unverzüglich in die Wege zu leiten.“
Kassenfreiheit und Effizienz von Neuraminidasehemmern zur Therapie der Grippe
Durch die enge Zusammenarbeit von DINÖ (Diagnostisches Influenza Netzwerk Österreich, www.influenza.at) und den österreichischen Gebietskrankenkassen können nach der am 15. Jänner erfolgten, amtlichen Bestätigung der Grippewelle in acht von neun Bundesländern Neuraminidasehemmer zur Therapie der Influenza auf Kassenkosten verschrieben werden. Die Patienten müssen lediglich die Rezeptgebühr entrichten. Die Bestätigung des Landes Oberösterreich ist noch ausständig.
„Um die betriebs- und volkswirtschaftlichen Verluste so gering wie möglich zu halten, ist der Beitrag jedes Einzelnen wichtig. Wenn man bedenkt, dass eine Influenza ohne Komplikationen und ohne kausaler Therapie im Schnitt mit mindestens 10 Tagen Fernbleiben vom Arbeitsplatz einhergeht, kann man die volkswirtschaftliche Sinnhaftigkeit einer Therapie mit antiviralen Medikamenten deutlich erkennen: Neuraminidasehemmer verkürzen die Krankheitsdauer und somit auch die Krankenstandszeit wesentlich und verhindern vor allem schwerwiegende Folgeerkrankungen“, so der Generaldirektor für öffentliche Gesundheit, Prof. Dr. Hrabcik.
Handgeben und „Begrüßungsbussi“ in Zeiten der Influenza
Jetzt, da die Influenza-Welle Österreich erreicht hat, ist es von besonderer Wichtigkeit, sie an der weiteren Ausbreitung zur hindern. Sozialmediziner Kunze: „Einfache hygienische Maßnahmen sollten ganz besonders ernst genommen werden. Häufiges Händewaschen ist – so simpel es auch klingen mag – eine enorm wichtige Präventionsmaßnahme. Auf das Händeschütteln sollte man jetzt einfach verzichten. Man hustet, hält sich die Hand vor den Mund, gibt sie dann dem Nächsten, der greift sich an den Mund oder die Augen und ist schon infiziert. Neue Untersuchungen zeigen, dass das – vor allem in Wien obligatorische – „Begrüßungsbussi“ zwar weniger gefährlich ist, als das Handgeben; dennoch würde ich auch davon in Grippezeiten dringend abraten!“
Therapie mit Neuraminidasehemmer Tamiflu®
Der Neuraminidasehemmer Tamiflu® (Wirkstoff Oseltamivir) wirkt bei allen Arten der Influenza. Durch die Hemmung des Virus-Enzyms Neuraminidase wird damit die Freisetzung von neugebildeten Viruspartikeln aus den befallenen Zellen verhindert. Somit kann sich die Infektion nicht weiter im Organismus ausbreiten. Tamiflu® wird Erwachsenen und Kindern ab dem vollendeten 1. Lebensjahr in Form von Hartkapseln bzw. eines Saftes (Suspension für Kinder) verabreicht.
Zeigen sich bereits Grippesymptome, sollte Tamiflu® möglichst sofort, auf jeden Fall aber innerhalb von zwei Tagen nach Auftreten der ersten Symptome eingenommen werden. Krankheitsintensität und
-dauer und somit mögliche Komplikationen der Influenza können dadurch drastisch reduziert werden.1, 2, 3 Das Risiko von gefährlichen Folgeerkrankungen der Grippe wie Bronchitis, Nasennebenhöhlenentzündung (Sinusitis), Mittelohrentzündung (Otitis media) und Lungenentzündung (Pneumonie) kann mit Tamiflu® erheblich verringert werden. Auch Antibiotikaeinsatz und Krankenhausaufenthalte sowie das Risiko einer Ansteckung weiterer Personen werden durch Tamiflu® deutlich gesenkt.3
Für das Präparat sind keine Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten bekannt. Die weltweite Zulassung für Kinder ab einem Jahr unterstreicht die Sicherheit des Medikaments. Auch Grippe-Geimpfte können mit Tamiflu® behandelt werden. Prophylaktisch eingenommen, bietet der Neuraminidasehemmer sofortigen Schutz vor der Grippe.
Die Symptome der echten Grippe
Um eine echte Grippe von harmlosen grippalen Infekten, also Erkältungskrankheiten und fiebrigen Atemwegsinfektionen, die nicht durch Influenzaviren hervorgerufen werden, unterscheiden zu können, muss man die Symptome der Influenza kennen.
Im Gegensatz zum grippalen Infekt, der langsam beginnt und nicht so schwer verläuft, treten die Symptome der Influenza ganz plötzlich, innerhalb von wenigen Stunden auf. Meist beginnt die Grippe mit starken Kopf- und Gliederschmerzen, Frösteln bis hin zu schwerem Schüttelfrost, Schweißausbrüchen und Fieber. Mit einher gehen Atemwegsbeschwerden, Husten und Halsschmerzen.
In der Regel dauert eine – komplikationslose – Influenzaerkrankung ein bis zwei Wochen, wobei fünf bis sechs Tage im Bett zugebracht werden müssen.
Grippe-Check:
Gippe/Influenza: plötzlicher Krankheitsbeginn, rasche Verschlechterung, Influenza in Region auftretend; Krankheitszeichen betreffen den ganzen Körper, Fieber rasch steigend >38°C, Schüttelfrost, Schweißausbrüche; starke Muskel-, Glieder- und Kopfschmerzen, Husten, Halsschmerzen, Abgeschlagenheit; schwere Komplikationen möglich (z. B. Mittelohrentzündung, Lungenentzündung, Bronchitis)
Grippaler Infekt: Krankheitsbeginn langsam, allmähliche Verschlechterung; Krankheitszeichen lokal (Atemwege), leicht erhöhte Temperatur; verstopfte oder laufende Nase; selten Komplikationen
1 Treanor et al., JAMA, 2000; 1016-1024.
2 Nicholson et al., Lancet, 2000; 355: 1845-1850.
3 Kaiser et al., Arch Intern Med. 2003; 163: 1667-1672.
Quelle: Roche Austria GmbH